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[thing-group] Received 01. 12. 2011 15:43 from from

Occupy Hirn

Es vergeht kaum ein Tag, an dem mir nicht jemand aus dem Kreise der
Kulturschaffenden erzählt, wie schlimm die Banken und das ganze
Finanzwesen seien. Occupy rules. Das ist kaum verwunderlich.

Überraschender jedoch, daß die gleichen Kulturschaffenden, die sich doch
bestens mit der Kulturindustrie auskennen sollten, verständnislos
reagieren, wenn ich Ihnen von Occupy Museums oder Occupy Schirn erzähle.

Daß sich Museen und Banken strukturell gleichen (von Baudrillard schon
1972 entdeckt), daß die Banken bei den Museen ein und aus gehen, und daß
die Banken sich über Kunst und Kultur Zustimmung kaufen. Kurzum, daß
Kunst und Kultur keine neutrales Gebiet sind, von dem sich gefahrlos das
Unwesen der Finanzmärkte kritisieren liesse.

Umsonst. Nach 5min muß ich mir wieder anhören: "Ja, aber die bösen
Banken...."

Es offenbart sich erneut die fortdauernde Spaltung der Kunst in einen
scheinbar legitimen Bereich der Kritik, der sich fraglos auf einen
zustimmungsfähigen Begriff des Politischen (Kapitalismus und verwandte
autoritäre Strukturen) beziehen darf. Und einen Bereich, der von einer
analogen Kritik ausgenommen scheint, den der Kunst selbst.

Sicherlich, man hat davon gehört, daß Bourdieu das symbolische, soziale
und monetäre Kapital als Einheit und Gegenstand der Befragung verstanden
wissen wollte. Aber, "ganz so schlimm" sei es in der Kunst ja nicht, -
eine gängige Replik.

Durchaus, die Kunst dient (auch) "höheren Zielen", wie Freiheit oder
Gerechtigkeit. Was man von den Banken keineswegs sagen kann.

Nur, - wer ist ermächtigt im Namen von Freiheit und Gerechtigkeit zu
sprechen? Wer erlaubt es innerhalb der Kunst, unter den Künstlern derlei
zu vertreten?

Bequem ist es, Banken zu kritisieren. Die sind weit weg.

Den Galeristen, den Kurator, den Offspace um die Ecke ins Visier zu
nehmen und als Vertreter eines symbolischen Kapitals, als Akteure
"häuslicher Gewalt" zu untersuchen, das scheint außerhalb des kritischen
Horizonts zu liegen.

Wenn Luc Boltanski und Eve Chiapello von einem "Geist des Kapitalismus"
sprechen, der es zustande bringt, daß die am wenigsten Privilegierten
nicht die Hoffnung verlieren irgendwann doch noch dazugehören zu können
und damit Widerstand zu verwerfen. Warum nicht einen "Geist der Kunst"
beschwören, der analoges vollbringt?

Bin ich 1%?

* * *

Aus einer weiter zurückliegenden Diskussion zu Schirn und Autobahnen:

http://www.thing-frankfurt.de/content/2011/materialsammlung-occupy-schirn-1






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