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[thing-group] Received 30. 06. 2011 21:53 from from

Re: Studentisches Projekt Auktionshaus Mainart: Fiktive Kunstauktion am Mittwoch, den 29.06.

Hallo,

Helges Ansatz deckt sich auch mit anderen, wie meinen "profunden" Analysen dies aktuellen und bekannten Kunst-Geschehens.


Diese, "unsere" Gesellschaftsform, die auf totaler Wirtschafts-orientierter Verwertung aller Ressourcen und Profitmöglichkeiten aufgebaut ist, versucht darin praktisch jede human relevanten Beschäftigung in ihr Verwertungsmuster zu integrieren, um damit Umsatz wie Profit zu erzeugen. Jedwedes human gesteuerte, kalkulierbare Verhalten und jegliche entsprechende Aktivität bleiben nicht "Selbstzweck" oder frei-geistiges Feld, sondern müssen in Profitabsicht "effizienter" gestaltet und ökonomisch "verwertbar" gemacht, einer Wertschöpfungskette angepasst werden.
(Madame Lagarde kaum im IZB- Amt, postuliert daher ebenso dringend, das: "die ökonomische Effizienz gesteigert werden muss!")



a. Schon als Kind wird uns in Schule und Welt aufgezeigt, wie ungemein nützlich es eigentlich ist, "lukrativ" zu handeln, sich Wirtschaftsinteressen anderer zu unterwerfen, diesen bei zu pflichten, dort mit-zu-tun und darauf basierend eventuell, eigene "Geschäftsideen" zu entwickeln und zu erleben.
Letzteres gelingt meist nur denen ansehnlich bis gut, die jene "herrschenden" uns alle beherrschenden Geschäftsmodelle so weit durchschauen, das sie diese aktiv und tätig in eigene Handlungen umsetzen können, oder/und über das notwendige Kapital (auch Human Kapital, Einfluss, Beziehungen,..) verfügen, solche zu betreiben.

Freie Kunst und künstlerischer Freiraum darin, wäre etwa eine Lebensform, in der jede/r selber für sich, regional/ autonom dieses Leben "mit-gestalten" würde. Es wäre darin wichtig, sein Haus/Hütte/Zelt selber zu bauen, es anzumalen, zu dekorieren und/oder im Austausch mit anderen, jegliche kreative Tätigkeiten auszuführen.
Freie Zeit wäre dabei im Überfluss notwendig, um sich diesen eigen verantwortlichen Tätigkeiten und Bereichen zu widmen und anzunähern. Jede/r könnte darin agieren, seinen/ihren Begabungen und Wünschen, Inspirationen entsprechend. Ich könnte mir in dieser Lebenweise sogar Gemeinden und Regionen vorstellen, in denen die gesamte Struktur nur von den dort wohnenden Menschen (individuell) erstellt und vielfältig gestaltet wäre, in entsprechender Kooperation, ohne Wettbewerbs- und Konkurrenzdruck.
(Das wäre eine Umsetzung realer und praktizierter Vielfalt und entsprechendem Pluralismus)

In einer ebenso vielfältigen, wie in enorm angewachsener Arbeitsteilung aufgespaltenen allgegenwärtigen (Erwerbs-) Welt ist dies jedoch kaum möglich. Real beherrschen uns die Interessen derer, die Jahre und Jahrzehnte lang Kapital akkumuliert und damit verbracht haben, ebenfalls viele andere (Lebewesen) zu benützen, nur um vorrangig ihre eigen-profitablen Interessen durchzusetzen. Jene sind dadurch immer "mächtiger " geworden und ihr System, diese monopolistische Geschäftspraxis, dominiert strukturell wie faktisch, visuell wie medial, die derzeitge allgemeine Lebensstruktur und Umwelt der Menschen als deren Grundlage und vorherrschendes Geschäftsmodell.

Und jenes einseitge "Geschäftsmodell" haben wir alle, quasi Natur gegeben, als Seinsgrundlage und bestimmende Grundstruktur übernommen, sind darin aufgewachsen, haben kaum gelenrt, dies strukturell zu hinterfragen, noch mehr wie zaghaft zu schauen, zu erkennen, was denn unsere realen Bedürfnisse und grundsätzlichen Möglichkeiten in diesem Leben zusätzlich gewesen wären!?



b. Je mehr man "unfrei" (als Abhängiger, Untergebener, Weisungs-gebundener, sonstwie Angestellter, etc.) für andere arbeitet, um sich dann irgendwann mit dem Lohn aus dieser geraubte Lebenszeit, ein bisschen tasächliche Freiheit zu gönnen, desto mehr lebt diese Struktur in uns weiter! (Denn jene im Lohnverhältnis gewonnene Freiheit ist eine meist illusorische, eine Konsumentenhaltung, in der Waren und Dienste von Warenbesitzern, Besitzern an Produktionsmitteln ge- und verkauft werden, die letztere immer weiter bereichern, ..)

Je weiter man in diesem System abhängig und unfrei, in der Schwebe gehalten wird, desto weniger lebt man darin ein freies und selbst bestimmtes Leben.

Je länger wir konventionell unbedacht, nicht selbst-bestimmt leben und arbeiten (nicht an Strukturen und Verhältnissen mitentscheiden dürfen, die unser tägliches Leben bestimmen) desto mehr befördern wir diese einseitig ausgebildete Fremd-Struktur, die immer weiter daran ausgerichtet ist, noch mehr an uns zu profitieren und dadurch immer weiter anwächst, akkumuliert und an realer Macht über uns/in uns gewinnt.
Jedes Automobil, Feuerzeug, Recorder, TV oder sonstiges Gerät von einem Markenhersteller (nicht als Produktionsmittel gekauft), gibt jenen mit dem dadurch (von uns) abgezogenen, gewonnenen Kapital, die Möglichkeit immer uneingeschränkter über und zu verfügen und über uns zu bestimmen.

Die allgemeine Wrtschafts- und industrielle Produktions-sphäre ist eine "Demokratie freie Zone", in der nahezu keine weitere Mitbestimmung existiert und möglicht ist.

c. Nun werden auch große Industrie Unternehmen, strukurell bedingt fast automatisch immer reicher und mächtiger und sind darin schon den meisten Staaten in ihrer ökonomisch bestimmenden Machtfülle überlegen. Und je unterwürfiger, verplanter und System-gläubiger, Menschen daran unwidersprochen mitarbeiten, desto erheblicher wächst diese äußere, über-menschliche, monopolistische Macht und Gewalt, der sie darin unterliegen und ausgeliefert sind.

KUNST ist in dieser Struktur nur ein weiteres konformisiertes, angepasstes Geschäfts-vehikel und Modell wie andere auszubeutenden Ressourcen.

Es geht in der Kunst-Verwertung kaum um Selbsterkenntnis, Befreiung, kreative Erkenntnis für viele, sondern um ebensolche Marken und Erzeugnisse der Wenigen (geachteten Star-Künstler) deren ökonomischer Wert so weit gesteigert und strukturell vergrößert wird (durch Nutzen der einseitig beherrschten Medien und ihrer monopolistischen Vermittlung, und anderer System-Helfer,...) damit diese so geschaffenen Kunst-Werke, äußerst lukrativ für Spekulation und Geldgewinn werden. "Erfolgreiche" Galeristen sind daher "erfolgreiche" Geschäftsleute, Personen wie Kahnweiler noch, der Künstler aus persönlichem Interesse/Mitgefühl förderte, sind inzwischen die absoluten Ausnahmen.



d.. Die herrschende gesellschaftliche Verwertungsstruktur benötigt in ihrem andauernd gepredigten "Wirtschaftswachstum" keine freien, sich selbst bewussteren Menschen, die etwa "freie" Kunst betreiben und dadurch spontaner, individueller, verschrobener, unabhängiger, gebildeter, fähiger werden? Nein, diese Gesellschaftsstruktur benötigt angepasste, Ja-sager, Gummihälse, Unterworfene, Mitmacher, eindimensional gepolte konditionnierte Konsumenten von Fremdwaren und Fremderzeugnissen!
(Konsumenten, deren einzige und allergrößte Freiheit nur darin besteht, über die von ihnen meist in erzwungener, auswegloser Erwerbsarbeit angesammelten Kröten, in ihrer Geldbörse, zum allein wichtigen Kauf der angebotenen Fremdwaren "frei" verfügen zu dürfen)

Das Leben in dieser Gesellschaft ist ein Supermarkt geworden, umherirren zwischen stündlich, minütlich erweitertem Angeboten, ...! Keine Zeit, Ruhephasen und Muße ist mehr darin vorhanden, um selbst-sinnig und eigen-ständig zu denken, zu entwerfen, zu schöpfen!?

Verwertung und wirtschaftliches Wachstum ist oberste Prämisse, daher wird nur selektiv jene Kunst gefördert oder jeweils beliebig von entsprechenden Marktherrschern dazu erklärt. (gelegentlich wird auch "originelle" Kunst gekauft und dadurch befördert)
aber der Zweck der individuellen Befreiung und autonomen wie regionalen Bereicherung durch selbst-verantwortlich geschaffene Kunst und Befreiung darin und dadurch, steht der dominierenden, be-herrschenden Verwertungspraxis der immer weiter anwachsenden, ausgedehnten Wirtschaftsmacht diametral entgegen.

Nicht das Manager und Wirtschaftsbarone keine Menschen seien und gerade daher auch gerne diverse Kunstwerke anschauen und erleben würden (einige zumindest), verklären sie diesen Menschen doch die eigene, gespürte Unfreiheit und so atmen jene daher allzugerne den Hauch der bisweilen impulsiven, urwüchsigen Kraft einiger Kunststücke, um eigene, System bedingte Unfreiheiten danach besser zu ertragen!?
(Aber es ist gut zu wissen für sie, und meist beruhigender, das manche Kunstwerke sich noch besser als Aktien, Gewinn-bringend verwerten lassen)



e. Kurz und schlecht:
in der gegenwärtigen Gesellschaft wird Kunst nicht als Befreiung und autonome Gewalt und Gestaltungskraft gesehen, die etwa Menschen befreien könnte und entsprechend eingesetzt würde, sondern Kunst wird als einheitliche Aktie und weitere Ware behandelt, die von bisweilen noch "menschlichen" Markenproduzenten erzeugt , ebenso in Umlauf gebracht und gehandelt wird, wie alle sonstigen Marken-Erzeugnisse auf die vielfältig spekuliert und die dem Streben nach Gewinnmaximierung unterworfen sind.

Kunstförderung, die freie und befreite Kunst "befördern" würde, wäre eine Massnahme, die ein gesellschaftliches Gegenmodell zur Basis und Absicht hat (hätte) und damit individuelle Freiheit, Unabhängigkeit, Selbsterkenntnis, Individuelle Vielfalt und Gemeinsamkeit be-fördern würde, also all das, was derzeitger, massiv gelebter Verwertunsgpraxis entgegen steht.

Daher ist meine leicht überspitze Haltung auch eher darauf ausgerichtet, mit entsprechender Kunst an der Beendigung und Umkehrung dieser aktuellen gesellschaftlichen, einseitig Menschen verkümmernden Verhältnisse zu arbeiten, daran darin ebenso individuell, persönlich, künstlerisch zu wachsen und allgemeine wie individuelle, entsprechende Befreiung zu befördern.

Andere Künstler gehen andere Wege. Sie passen vielleicht sich bewusster/ unbewusster dem Systemzwang an, welcher über sie bestimmt, möchten sich eventuell sogar "verkaufen" lassen, sich in dieser, seit der Kinder- und Schulzeit geübten Verwertungspraxis einbringen, leben darin bisweilen individuelle Freiräume, wer weiß.?


Fazit:

Für mich steht jedoch fest, wer sich der aktuellen, gesellschaftlich extrem konditionierenden Verwertungspraxis verweigert und Gegenentwürfe andenkt kann und darf nicht erwarten, vom ökonomisch ausgerichteten "Mainstream" und dessen Wirtschaftsprinzip unterstützt zu werden.
Es ist sogar oft kontrapunktiv, auf Verwertungsmöglichkeiten zu warten, da diese Haltung, in anderen selbst-entfremdenden Abhängigkeiten ähnlich abgebildet, Energien und Potentiale abzieht, die zur Selbstbefreiung besser angewendet werden könnten.
Jede, auch politische Struktur, die auf Abwarten, Verharren äusserer Lösungsansätze für Einzelnen spekulativ angelegt ist, demotiviert und hemmt darin eigene, autonomen Kräfte, das sollte zumindest bekannt sein.

Daher gilt weiterhin Schillers beachtliche, vorrevolutionäre Erkenntnis :



"Zur Freiheit können wir nur durch die Kunst gelangen,!"

und

"Was wir als Schönheit hier empfunden, wird bald als Wahrheit uns entgegengehen"


















----- Original Message -----
From: Helge Steinmann
To: thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot]3 de
Sent: Wednesday, June 29, 2011 7:55 AM
Subject: Re: [thing-frankfurt] Studentisches Projekt Auktionshaus Mainart: Fiktive Kunstauktion am Mittwoch, den 29.06.



Schöne Idee, aber leider gibt es diesen Kunstmarkt nicht, zumindest nur als reales Theaterstück der (Hoch)finanz. Die vielleicht tatsächlich fließenden Gelder werden zwar für die Werke hingelegt, sind aber finanzielle Transaktionen bei denen es um alles andere als um die Kunstwerke geht. Von daher viel Spaß beim Märchenerzählen.

Schöne Grüße

Deutscher Banksy =)

Am 28.06.2011 um 22:02 schrieb B. Hölscher:

> Ich bin mir nicht sicher, ob diese Veranstaltung für Thing Abbonementen
> interessant ist, aber in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um eine
> fiktive Kunstauktion von Kunststudenten und somit um ein nicht
> profitorientiertes Projekt handelt, glaube ich, dass es den einen oder
> anderen ansprechen wird.
>
> Datum: Tue, 28 Jun 2011 10:34:46 +0200
> Von: "Denise S." <euphoria [at] hotmail [dot]3 de>
> An: bahoelscher [at] gmx [dot]3 de
>
> Einladung zur fiktiven Auktion auf dem Uni Campus Bockenheim!!!
>
> Sie wollten schon immer mal an einer Auktion teilnehmen, haben sich aber
> vielleicht nicht getraut, weil dort mit so hohen Geldbeträgen jongliert
> wird? Dann sind Sie herzlich dazu eingeladen, an unserer fiktiven
> Auktion teilzunehmen, denn hier können Sie nach Herzenslust bieten, ohne
> danach in die Tasche greifen zu müssen.
>
> Im Rahmen eines Seminars haben Kunstgeschichtsstudenten der Goethe-Uni
> ein fiktives Auktionshaus gegründet und lassen das Ganze nun in einer
> Auktion gipfeln. Am *Mittwoch, den 29.06.* um 13 Uhr beginnt die
> Veranstaltung auf dem Campus Bockenheim im *Jügelhaus im Hörsaal H14*
> (4.Stock) mit einer Vorbesichtigung der Werke, um *14 Uhr* beginnt die
> eigentliche Versteigerung. Die Kunstwerke werden mittels Beamer an die
> Wand projiziert und von den Auktionatoren zur Versteigerung freigegeben
> - alles wie bei einer richtigen Kunstauktion in realen Auktionshäusern.
> Nur dass Sie bei unserer Auktion nach dem Bieten das Kunstwerk nur in
> Gedanken Ihr Eigen nennen können, dafür aber auch nicht ihr Konto
> plündern müssen. Unter den Hammer kommen u.a. Gemälde des 16. und 17.
> Jahrhunderts, zeitgenössische Kunst, Photographien, aber auch Möbel und
> Schmuck.
>
> Wenn Sie Lust bekommen haben, den Flair einer Auktion zu genießen, einen
> Picasso zu "ersteigern", einen Nachmittag mit Kunst zu verbringen und
> vielleicht im besten Falle auch noch was neues erfahren, was Ihren
> Horizont erweitert, dann würden wir, das Auktionshaus Mainart, uns sehr
> freuen, Sie bei unserem Event begrüßen zu können. Der Eintritt ist
> natürlich frei!
>
> Falls noch Unklarheiten bestehen, besuchen Sie doch unsere Web-Präsenz,
> dort können Sie auch schonmal einen Blick in den Auktionskatalog werfen.
> http://twelveone.net/mainart/final.html
>
> Facebook <http://www.facebook.com/event.php?eid=226787154006547>;
>
>
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>
> [Die Teile dieser Nachricht, die nicht aus Text bestanden, wurden entfernt]
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