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05. 07. 2005 19:22
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wissen sie, lieber herr beck,
mit ihrer kunst habe ich viel weniger probleme, als z.b. mit ihnen als
person (wobei ich das keinesfalls abwertend meine, sondern im sinne
einer mehr oder weniger permanenten hermeneutischen herausforderung,
deren schöpferisches moment ich nicht missen möchte). doch halt! werden
jetzt sicher die einen oder anderen rufen, sie können das gar nicht
beurteilen, ob das, was der beck macht, kunst ist oder nicht, denn sie
sind ja selber nicht ein künstler.
und diesen einhalt gebieten sie mit RECHT, nämlich dem "guten", ethisch
(im sinne von reproduktionsbewahrend, was die rasse anbetrifft)
korrekten gewohnheitsrecht, das symptomatisch für maternal geprägte und
ausgerichtete gesellschaftsformen ist. die trope, die diese struktur in
ihrer erscheinung biegt, ist natürlich [sic!] das kastriert-verklemmte
herumgebaren (-gebären) herrschaftlicher typen wie dem augst. für
solche leute (künstler, macher, großkopferte, führerpersönlichkeiten)
ist es natürlich eine existenzielle bedrohung, wenn jemand verusucht,
das system (struktural) von innen heraus aufzureissen, in dem er eine
postautonome, hypermobile kunst nicht nur ausruft, sondern in ihren
strukturellen bedingungen schafft bzw. fördert.
der nächste schritt ist, dass sich listensubskribenten
basisdemokratisch-subversiv zu organisieren beginnen, um ihnen die
liste abzunehmen – aufgrund ihrer missachteten "moderationspflicht",
die widerum bedingung für das gesellschaftliche fortbestehen UM ihre
liste HERUM ist. so aber ist diese pattsituation – kontrolle jeglicher
postautonomer strömungen von innen und ihre bekämpfung von außen –
aufgelöst. wenn jetzt plötzlich jeder sagen kann, was ganz subjektive
kunst sei, und das obendrein per definitionem kunst ist, die nicht von
einem system reglementiert ist, und andere das dann obendrein noch
lesen und kognitiv verarbeiten (können); ist das brandgefährlich.
herr augst hingegen macht irgendeine unbedeutende schallplatte, lässt
das cover von eeinem herrn rehberger gestalten (der es wahrscheinlich
von einer bumspuppizitären praktikantin unentgeltlich gestalten ließ)
und verkauft diese für 30 euro an irgendwelche idioten, die das spiel
mitspielen und sie sich dann zur eigenen aufwertung vor ihren
proto-gesellschaftlichen redundanzen an die wand hängen.
herr beck, machen sie weiter mit nicht-machen. sie sind auf dem
richtigen weg. alles andere ist reaktionäre scheisse.
ihr braan
Am 05.07.2005 um 15:47 schrieb Stefan Beck:
> Also, ich finde die liste wird immer eigener, selbständiger,
> seltsamer. Ja,
> vielleicht besser.
>
> Neulich sprach ich an der städelschule über das ende der
> ausstellungskunst,
> führte lange die theoretischen positionen aus, die mich davon
> überzeugten,
> dass es keinen sinn mehr mache, kunst im medium der ausstellung zu
> verfolgen.
>
> Schliesslich kam ich auf meine eigene arbeit zu sprechen, und führte
> u.a.
> diese mailingliste als beispiel an, wozu ich mir von meinem kollegen
> Oliver
> Augst anhören musste, sie wäre vielleicht meine schwächste arbeit.
>
> Nach wie vor denke ich aber, es war genau richtig, gerade von ihr zu
> sprechen. Weniger, weil es gar nicht mehr meine arbeit ist, sondern die
> aller beteiligten (Benjamin 1934: jederzeit ist der lesende bereit ein
> schreibender zu werden.....).
>
> Sondern, weil sich sich hier alles aufzeigen lässt, was eine
> postautonome
> kunst fordert. Auflösung von subjekt und identität. Vorherrschaft des
> signifikanten über das signifikate. Absenz jeden standpunkts. "Es
> spricht"
> wäre mit Heidegger festzustellen.
>
> Der begriff des "mülls" wäre hier symptomatisch zu untersuchen. Denn
> der
> fällt immer wieder. Vor kurzem noch gebrauchte Felix Nowak noch diesen
> begriff, als er endlich die fäden zu "main cafe" und "ideenlabor"
> bahnhofsviertel entdeckte.
>
> lange schon spricht auch Groys von "Müll, Dreck und Scheisse", die
> sich in
> den museen angesammelt hätten. Sie sind die signifikate einer
> abwesenden
> kunst, einer vergangenen kunst.
>
> Aber schon Benjamin, auch Brecht, forderten eine kunst der beteiligung.
>
> So wunderts mich auch nicht, dass sich hier leute beschweren, die fast
> gar
> nichts zu dieser liste beigetragen haben. Die offensichtlich nur
> bedient
> werden wollen. Andere mögen doch gefääligst produzieren, was
> angenehmst zu
> konsumieren wäre.
>
> Nun, das gibt es ja bei The Thing auch, in form der webseiten. Lob,
> zuspruch, von unterstützung ganz zu schweigen, gibt es dafür in den
> seltensten fällen. Immerhin spricht der Herr Matthes im nahhinein ein
> lob
> aus. Danke.
>
>> dies ist meine erste mailingliste und ich muß feststellen, daß diese
>> erfahrung dazu geführt hat, daß ich mich bei keiner mehr anmelden
>> werde.
>> selten soviel müll gelesen. schade, thing find ich nämlich echt gut
>>
>>
>> Am 05.07.2005 um 10:14 schrieb Trauma XP:
>>
>>> Tja, schade. Wieder eine Mailing-Liste, die mit pubertären Einzeilern
>>> zu
>>> Tode geritten wurde. Vor einer geraumen Weile habe ich schon auf
>>> Daily
>>> Digests umgestellt, weil mir 25 Nachrichten Müll pro Tag einfach zu
>>> viele sind. Ich hatte die Hoffnung, auf dieser Liste tatsächlich
>>> etwas
>>> über kulturelle Veranstaltungen zu erfahren. Stattdessen wird sie von
>>> profilierungssüchtigen, gelangweilten oder einfach nur geschmacklosen
>>> Menschen zugespammt. Ich bin draußen.
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