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[thing-group] Received 17. 06. 2011 18:34 from from

Re: Kunst des Verkaufens

Hallo Hr. Beck,

gute Idee, das auch hier einzustellen. eine der besten Antworten auf diesen Artikel fand ich in einem Kommentar dazu auf den Seiten der SZ selber:


Zitat: (v. 170611 15.00h vom user/Leser Brooklynn)

"Der Berater gefällt sich leider überwiegend in Allgemeinplätzen. Das einzige konkrete Beispiel, die Graffitikünstler, die Urnen verzieren dürfen, ist kein Beispiel, weil diese Leute ihren künstlerischen Anspruch aufgeben und Kunsthandwerker werden müssen."

"Interessant wäre es gewesen, wenn er herausgearbeitet hätte, wie ein Student auf einer Kunsthochschule den Weg zum Spitzenverdiener im internationalen Kunstbusiness managen kann. Das wollen nämlich alle wissen, und das geht gar nicht ohne Galeristen und vermutlich auch nicht ohne Mäzene.
Richtig ist allerdings, dass jeder Künstler sich die Frage stellen muss, wo die Kohle für die Brötchen herkommen sollen - aber das ist so banal, dafür braucht man keinen Berater. Und alle anderen Dinge lernt man sogar aus Büchern oder im Internet - und so gut wie nie bringen sie etwas.
Genauso gut könnte man sagen: Jeder Arbeitslose sollte sich coachen erlassen, denn es gibt Millionen Möglichkeiten für jeden, sich zu verkaufen. Wer soll das glauben? Das Problem der Existenzsicherung haben ja nicht nur die Künstler. Insofern ist dieser Beitrag genauso gut wie jeder andere über Karriereberater, die meinen, mit guten Ratschlägen ihren Klienten zu einem Job verhelfen zu können. Können sie nicht. Die Jobs gibt es nämlich einfach gar nicht."

"Und noch ein Denkfehler: Nach 100 Jahren neuer Musik und entsprechend vielen Vermarktungsbemühungen hat sich wohl inzwischen zweifelsfrei herausgestellt, dass das Publikum durch keinen Trick dazu bewegt werden kann, die neue Musik zu mögen. Welche neuen Trick soll man sich denn jetzt noch einfallen lassen? "

"Nein nein, das ist ein Interview, das allenfalls neue Kunden bringt, unbedarfte Künstler, die aus irgendwelchen Quellen noch ein bisschen Kapital auftreiben und in eine Karriereberatung investieren können. Schließlich braucht der Herr Coach ja auch Kunden, er muss sich selbst verkaufen, und genau das hat er mit diesem Artikel gemacht, aber leider nicht wirklich gut. Vielleicht sollte er sich mal an einen Karriereberater wenden. "

Mein Meinung deckt sich mit der dieses Kommentators weitgehend, zusätzlich uterstreicht es die rein formal, inhumane, nur auf betriebswirtschaftliche Erfordernisse ausgeegltes Profitdenken:

Mein Kommentar in seiner quintessez von FB kopiert:

"Die große Kunst ist, eine einzige Idee ganz oft zu verkaufen."

Es geht "DENEN" (den Vermarktern) gar nicht um Erkenntnis, Sinnsuche, Veränderung, Erneuerung, soziale und gesellschaftlich-kulturelle Ansätze, Motive, etc.
Es geht nur um Profit und diesen so dauerhaft und so lange wie möglich auszuweiten, auszubreiten, auszurollen. Kultur ist nur ein ebensolche Ressource, ein Vorwand, ein Vehikel um Geld zu drucken, wie aus anderen, auszubeutende Regionen und Landschaften, Erdöl, Getreide, Textilindustrien, Automobilen, etc, ebenso nur monetärer gewinn gezogen werden soll:

Dafür:

"Make profits now and forget about the future!"

Und an der Bar abends lachen wir darüber, was wir heute wieder für tolle Geschäfte gemacht haben, ..!





----- Original Message -----
From: Stefan Beck
To: thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot]0 de
Sent: Friday, June 17, 2011 4:11 PM
Subject: [thing-frankfurt] Kunst des Verkaufens



Der folgende Artikel in der Süddeutschen ist sehr lesenswert und passt
prima zu unseren zurückliegenden Diskussionen Kunst und Geld. (
http://www.thing-frankfurt.de/2011/wie-verdienst-du-dein-geld )

So sagt der Autor Christoph Backes:

> Nehmen wir bildende Künstler: Eines ihrer Grundprobleme ist oft, dass sie auf der Leinwand sehr kreativ sind, aber nur genau zwei Vermarktungswege kennen: Sie suchen sich einen Galeristen oder einen Mäzen, der ihnen ihre Kunst abnimmt. Das ist nicht sehr kreativ, wenn man bedenkt, dass es in der Wirtschaft ungefähr zwei Millionen Vermarktungsmöglichkeiten gibt. Künstler, die eine Aversion gegen das Wirtschaftliche haben, sollten das einfach auch als Teil der Kunst sehen und kreativ werden.

Nun, das ist ja durchaus richtig. Wenn ich mir allerdings anschaue,
worauf insgesamt das Vermarkten in der Wirtschaft (nicht bloß der Kunst)
hinausläuft, dann habe ich oft den Eindruck, weniger Zeit und Aufwand
ins Produkt stecken und mehr ins Marketing.

Demnach müßte ich eigentlich die Arbeit an Thing Frankfurt einstellen
und den ganzen Tag damit zubringen Menschen mit der Vermarktung von
Thing Frankfurt auf den Wecker zu gehen. Dann wäre ich tatsächlich
Vermarktungs-Künstler und nicht mehr Internet-Künstler. Dazu habe ich
keine Lust.

Die Alternative wäre, eine Organisation zu gründen, in der sich jemand
nur ums Marketing kümmert. So, wie in anderen Firmen auch.

Wenn ich etwas aus dem Zeitungsbeitrag rauslese, - dann, daß der
Einzelkünstler keinen Sinn mehr macht.

Was meint Ihr?

http://www.sueddeutsche.de/karriere/selbstaendig-in-kreativen-berufen-wie-man-mit-guten-ideen-geld-verdient-1.1108709

(Kurzlink: http://bit.ly/lAB6fe )

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