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[thing-group] Received 14. 03. 2009 17:57 from from

2010 - Das Jahr, in dem wir die Krise bekommen

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2010 - Das Jahr, in dem wir die Krise bekommen


Der Titel ist phrasenhaft, aber die Eckdaten sind passend: 1967, zur
Zeit der schon doch ja grossen Krise des Kapitals in der BRD wurde
"2001 - Odyssee im Weltraum" gedreht, 1999 war das Jahr, in dem der
Boom der IT-Branche (damals "Neue Oekonomie" genannt und von der
Lovink-Schule im Umfeld des "Toywars" als "Tulipomania" gegeiszelt)
von 1995 bis 2000 den meisten suspekt wurde, jedenfalls genaehrt von
apokalyptischen Jahrtausendwende-Fantasien, 2001 wurde angeblich die
Welt am Ort der damals noch erfolgreichsten/erhitztesten Boerse (New
York) im September neu geordnet, 2010 sollte die europaeische Agenda
zum Abschluss gekommen sein und die EU das staerkste Land der Welt.

Interessant ist, dass die Ost-West-Teilung der Welt, 1984, im Jahr des
ersten Wuerfels "Macintosh", noch ganz klar einer Friedensbotschaft
bedurfte, waehrend also die atomare Bedrohung gross war und Apple
wenigstens im Video gegen den Ueberwachungsstaat von Microsoft stand.
Allerdings sah Arthur C. Clarke's Buch diese nicht vor, und die
Konkurrenz der Nationen ist noch laut dem Text auf der Videohuelle
von "2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen" von damals eine
zwischen China und der Kooperation (!) der UdSSR mit den USA. Und
auch Hans-Werner Sinn vom deutschen Ifo Institut fuer
Wirtschaftsforschung weisz: "Wir werden fruehestens im Winter 2010 da
sein, wo die USA im letzten Herbst waren [...]." Das bedeutet, dass
das amerikanische Raumschiff noch etwas schneller ist, als unseres.

Und wirklich, wo "2001" alles versagte, nicht sagte, aber verbilderte,
also anders sagte (?) und mystisch, religioes die rationalen Codes
austrieb, oder das Versagen des Rationalen, repraesentiert von HAL,
zumindest auf rationalistische Double-binds zurueckfuehrte (HAL
konnte berechnend seinen Befehlen nicht zugleich gehorchen und nicht
gehorchen und zerstoerte dann eine Variable durch Toeten), da wo die
Krise der Kommunikation und des Sprechens im reellen Jahr nach dem
Zusammenbruch des New Economy ins Jenseits der siegreichen Konsumwelt
fuehrte, naemlich zu den Sternen, klaert "2010" plappernd in den
Requisiten von 1967, also im Jahr, in dem die EU die Krise oder die
Krise die EU erreicht hat, gnadenlos auf.

Wenn man nun die im Buergertum herrschende Angst vor der Apokalypse,
wie Linke auf den Bahamas vielleicht formulieren wuerden, nimmt, und
auf der Suche nach den sich selbst deutenden Zeichen, des immer in
der Krise befindlichen Kapitalismus sucht, und alles fein vermengt,
haben wir in "2010" dem Film und 2010 dem Jahr etwas vorliegen, was
die Remix-Kopie von 2001 dem Jahr, dem angeblichen Beginn des
ersten (?) Krieges im 21. Jahrhundert und "2001" dem Film sein
koennte. Gibt es selbstentlarvende Artefakte? Ich erinnere mich an
den Film "Creature" (ebenfalls 1984) mit Klaus Kinski, einem
"Alien"-Verschnitt, in dem relativ coole Raumanzuege aus "2001"
getragen werden, "Nazi"-Kinski aber einen proportional viel zu
grossen Helm traegt und das Budget fuer einen naturalistischen
Ausserirdischen=Kapitalisten nicht mehr gereicht hat. Im Film
("2010"), wo alle Antworten im Computer liegen und der lustige Held
sie nur noch aus ihm herausholen muss, der Computer der Tempel und
die Maschine des Rationalen der Mission Aufklaerung, den keine Schuld
trifft und der nach 2001 (Film und Realitaet) endlich rehabilitiert
wird, kann ja schlieszlich doch immer und zugleich nie das
eintreffen, was mit der CeBIT und dem neuen Breitband 2008 den Massen
versprochen wurde, 2 Mio. Arbeitsplaetze und jedem ein DSL 1000
(max. Download: 1024 kbit/s, max. Upload: 128 kbit/s). Das Versagen
ist das Versprechen. Die Botschaft kommt von oben, sie lautet
Klassenbruderschaft -- in "2010" retten sich die sowjetischen
Kosmonauten mit den US-amerikanischen Astronauten vor dem schwarzen
Loch, welches der Galaxis eine neue zweite Sonne gebiert. Wo Kubrick
Naturwissenschaft an kosmische Grenzen bringt und Wissen mit
dem grossen Unerklaerlichen konfrontiert, Wissen also
unueberschreitbare Grenzen hat (Physik endet wo Gott anfaengt),
da wird der rehablitierte Rechner in knapp zwei Jahren die
unhinterschreitbare filmische Grenze des jetzigen Wissens sein
medialisiert-organisiert in einer Maschine, die im Gegensatz zum
Film aber nicht geopfert werden kann, um den Tod nah zu erfahren.
Die Konkurrenz der Nationen wurde dargestellt als verrueckte
Bedrohung (verrueckter Computer, verrueckte Russen) mit der
Heilsbotschaft einer geeinten Menschheit. 2010 - Das Jahr, in dem
uns die Krise bekommen, wird das eher banal korrigieren, ohne
"Lux Aeterna" (Ewiges Licht), sprich ohne Gott. Der Tod Gottes und
der Uebermensch sind dann Thema des Links-Nietzscheanischen Seminars.

Ali Emas

"2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen"
Tele 5
Sa., 14.03.2009
20:15 Uhr

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