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[thing-group] Received 18. 08. 2008 17:21 from from

form versus inhalt

Hallo Sabine,

ich will mir nicht anmassen, substantielles über das problem von form
und inhalt sagen zu können.

Aber für mich stellt es sich etwa so dar:

a) Bezogen auf Form und Inhalt stehen sich die Produzenten und
Konsumenten theoretisch gleichwertig gegenüber. In der Praxis kann das
anders aussehen.

b) Wenn ich in meiner eigenen Arbeit von inhaltlichen Fragestellungen
ausgehe, dann müssen sie auch immer in eine Form gebracht werden.

Hier können Probleme entstehen. Wenn ich einen Text schreibe, dann ist
mir die Form Buch versperrt, weil ich keinen Zugang zu Verlagen habe.

Schon vor langer Zeit bin ich daher ins Internet ausgewichen. Schreiben
im Netz ist aber eine andere Form, - aus vielerlei Gründen. Einer zB ist
die Schwierigkeit der User längere Text am Bildschirm zu lesen.

Auch komplizierte Satzformen scheiden aus. Intelligente Verkürzung ist
das Gebot.

c) Aus derlei Beschränkung erhält die Form ihren eigenen
Mitteilungscharakter. Das berühmte "medium is the message".

Wenn die Form einen Tauschwert annimmt, dann kann genau das passieren,
was Du als "Kunstmarkt-Denken" beschreibst. Ein Phänomen, das überall
auftauchen kann.

Statt eigenen Geschmack zu entwickeln, richten sich die Leser oder Hörer
an Bestsellerlisten aus, usw......


d) Als Künstler (mit Anspruch) stehe ich damit vor dem Problem, wie ich
einerseits Form und Inhalt so aufeinander beziehe, verwebe, dass ihr
Ergebnis sich nicht auf den blossen Tauschwert reduzieren lässt.

Anderseits aber die Balance zur Lesbarkeit halte.

Eco folgend liesse sich das am Beispiel vom Ulysses so zeigen:

eine Allerweltsgeschichte (ein Tag in Dublin) wird in eine komplizierte
Form gepackt (innerer Monolog etc), diese wiederum von einem Metatext
(18 Episoden der Odyssee, 18 Stunden eines Tages...) überlagert, der die
Einheit des Textes, die Lesbarkeit ermöglicht.

In Finnegans Wake fehlt dieser Metatext, und die Sprache hat sich
zusätzlich verkompliziert. Das Ergebnis: Tauschwert nahe null.

Handlungsoption: Finnegans Wake trotzdem lesen.


> Lieber Stefan, hallo allen anderen,
>
> ich habe eben eine Antwort versucht, und merkte, dass ich mich von
> dem, das ich schon in meinem vorigen Beitrag gut vermittelt glaubte,
> nur immer weiter entferne. Es tut mir leid, dass der so unverständlich
> rüberkam. Ich bastele an einer besser verständlichen Antwort; die von
> eben wurde sogar länger als mein letzter Beitrag :-/ .
>
> "Beispiele von Kunstwerken, in denen der Inhalt über die Form
> dominiert", kann ich nicht geben, weil ich es nicht aus
> Rezipienten-Sicht gemeint hatte, sondern aus der Sicht der Erschaffer.
> Das meinte ich mit
>
> "Das ist für mich aber Kunstmarkt-Denken, in dem es um "höher",
> "weiter", "spektakulärer", "provokanter" oder einfach "neuer" geht, um
> erst einmal überhaupt aufzufallen und in der Folge evtl. die
> Kunstgeschichte mit weiter zu entwickeln. Das könnte man für
> "Forschung" halten, in jedem Falle aber für Entwicklung, wenn es nicht
> so gesteuert wäre durch allzu Menschliches wie Politik, Geld und Rang."
>
> Das kann ich nicht so ernst nehmen, wie es "der Markt" gerne hätte. Es
> hat für mich nichts vom Eigentlichen mehr. Es gibt keine Kunstwerke
> "alleine aus sich". Bei meinen Arbeiten liegt ein Inhalt zugrunde,
> ohne den ich die jeweilige Arbeit gar nicht beginnen würde. Das sieht
> aber der Betrachter nicht, und darum geht es auch nicht. ---
>
> Fragen würden mir helfen, mich auszudrücken und auch kurz zu fassen,
> aber das würde vielleicht ein zu großes Interesse an meinem Denken
> voraussetzen, und ich sage ohne Koketterie, dass das
> selbstverständlich nicht sein muss ;-) . Ohne konkrete Fragen rede ich
> oft zu abstrakt.
>
>> "Ja, das siehst Du ganz richtig.
>>
>> Ganz pauschal möchte ich mal behaupten, dass das eben moderne Kunst
>> ausmacht, dass sie die Form über den Inhalt stellt.
>>
>> Präziser..."
>
> Das macht nicht "Kunst" aus, sondern "die Kunst" dieses Betriebes, der
> Steuerung um sie herum. "Kunst" ist in ihrem Ursprung viel freier.
>
> Und schon wieder lang........... ich kann es nicht besser sagen; mein
> letzter Beitrag traf es für meine Begriffe auch besser als jetzt
> dieser; der hier verbessert nix.........
>
> ich habe aber eine Frage: wie funktioniert die Kunstbetrachtung
> Deines, Eures Erachtens eigentlich für Nicht-Fachleute? Vielleicht
> komme ich über die Antwort (darf ruhig ausschweifen!) auf diese Frage
> selbst zu einer kurzen und knackigen Antwort.
>
> Einen schönen Sonntag,
>
> Sabine
>



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