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[thing-group] Received 02. 06. 2009 20:32 from from

Re: Betrifft: Stipendien & F ördermittel

Hallo Sabine,

interessant, daß du darauf hinweist, daß keine/r geantwortet hat auf deinen
Beitrag, ich habe ihn darauf nochmals gelesen und war richtig erschrocken.

Du behauptest doch nicht etwa ernsthaft, daß "Kunst" kein allgemein
akzeptierter Beruf sein kann, oder?

Gerade in der Kunst geschieht mehr als anderswo, in allen Bereichen des
Versuches, des Experimentierens und des auch unwirtschaftlichen (besonders)
Produzierens etwas extrem Wichtiges und Gültiges für die "allgemeine"
Gesamt-Human-Gesellschaft. Das Gute daran ist auch, daß jede/r daran sofort
teilnehmen kann, an diesem im optimalsten Falle kreativen und im besten
Sinne menschheitsbejahenden und förderlichen Prozess!
( Für Beuys übrigens als wichtiger Beitrag zur Gesellschaft zur "sozialen
Skulptur" deklariert!)

Un der Kunst ganz allgemein gesprochen kann mensch alle/vieles ausprobieren
und evaluieren, was ihn dirket betrifft, seine Sinne schulen, Emotionen frei
setzen, ausprobieren (Theater( Schauspiel, ..) und vieles mehr.

Das ist eine wichtige kulturelle Grundsubstanz, auf der alle weitere
menschliche, human und gesellschaftliche Entwicklung (neben Aspekten der
Wissenschaft, ..) beruht. Ähnliches hat auch Stefan Beck in einigen seiner
jüngsten Beiträge betont.

Kunst ist daher auch freiwillig, aber sie setzt kreatives Potential, was in
den meisten Menschen vorhanden ist, unkriegerisch und un-marktwirtschaftlich
frei. Zum Guten und freien Nutzen aller.
Was und wo wären wir als Menschheit ohne wichtige und große Autoren und
deren Bücher, ohne kreative Denker und Philosophen, Maler und Bildhauer,
etc.?.

Ich halte dies mit anderen für die vitale Basis unserer wackeligen
Zivilisation, Kultur zu schaffen und daran mitzuarbeiten ist etwas ungemein
Förderlichers. Ohne diese von einzelnen auch ohne Auftrag geschaffene Kultur
(ich nenne es mal so vereinfacht, ..) wären wir eventuell schmal
vegetierende Wesen, Höhlenmenschen, Wesen, die sich nur an ihren Basis
Instinkten orientieren, etc.!

Paul Feyerabend hat in einem seiner vielen Bücher (Wissenschaft als Kunst,
..) höchst anschaulich darauf hingewiesen, daß Kunst und Wissenschaft die
kreativen und humanitär wichtigen Triebfedern für eventuelle Entwicklung
überhaupt seien!

Kunst ist und sollte freiwillig und frei sein, weiterhin aber ist sie und
sollte ebenfalls als förderliche Krreativkraft stärker wahrgenommen und
gefördert werden.
Warum beschwert sich in dieser Form denn niemand mehr über die andauernde
und auch extrem todbringende und unheilvolle Kraft der zerstörerischen
Waffen die auch in Deutschland "legal" produziert und marktwirtschaftlich
höchst toleriert (Arbeitsplätze?- auch für Frauen?) einen Großteil der
deutschen Exportwaren ausmachen, nur mal so nebenbei bemerkt, ..???

Ohne kulturschaffende Kunst geht nichts und ein einigermassen intelligenter
Staat sollte das begreifen und fordern (wie sich auch mehr um seine Kinder
sorgen, alles anders ist dagegen relative Nebensache. )

Essen müssen alle und wohnen ebenso und Zuwendung braucht jede/r aber das
allein macht noch keine einigermassen humanistisch orientierte Gesekllschaft
aus. Auf was soll man eigentlich noch warten,das alles so weitergeht weie
bisher? Ohne Kunst, Kunst nur als schnödes, gerade so geduldetes Beiwerk,
als Zierrat und Privatsache?


LG, B.

on 30.05.2009 14:49 Uhr, Sabine Pint at spint [at] t-online [dot] de schrieb:



Hallo Anke, hallo allen anderen,

das, was Du angesprochen hast und wie Du es getan hast in Deinem allerersten
Posting, ist auch immer mein Thema...

die Kunst als einen allgemein anerkannten Beruf ansehen zu lassen fällt
schwer, denn in ihr geschieht nichts allgemein und für alle gleich Gültiges,
Wichtiges oder Bezahlenswertes.

Ich denke, dass das die Crux ist für diejenigen, die von ihrer Kunst leben
möchten, d. h. ihren Lebensunterhalt dadurch bestreiten wollen. Es wird
evtl. jemanden geben, der das eine oder andere bezahlen, weil besitzen oder
sonstwie fördern möchte, aber schon seine Sicht der Dinge auf einen weiteren
anderen Menschen "hochzurechnen" wird nicht unbedingt funktionieren -
zumindest nicht "berechenbar".

Daher bin ich ja schon länger der Ansicht, dass Kunst eine freiwillige Sache
sein sollte, und zwar von Seiten der Erschaffer als auch von Seiten der
"Konsumenten" (blöder Begriff in diesem Zusammenhang, aber Ihr wisst, wie's
gemeint ist, denke ich), denn so wird man allem m. E. am ehesten gerecht und
kann vielleicht auch kreative Dinge akzeptieren, denen man unterstellt,
nicht in wahrhaft künstlerischer Absicht entstanden zu sein... also die,
denen man unterstellt, "zuwenig zu bedeuten".

Im Umkehrschluss bedeutete das, dass es keine staatliche Förderung für etwas
geben könnte, das so unterschiedlich und individuell bewertet wird wie
"Kunst", und dass man es nur eben individuell fördern KANN... - womit wir
bei meinem Knackpunkt wären, inwieweit man einen Menschen "zum Künstler
ausbilden" kann...

viele Grüße und schöne Pfingsttage,

Sabine

--- In
< hat Anke S.
geschrieben:
>
> Lieber Stefan,
>
> es macht durchaus Sinn eine Unterscheidung zwischen den Künsten
herauszuarbeiten... Du sprichst von Büchern. Die möchte ich außen vor
lassen. Insbesondere auch, weil ihre Herstellung zwar Zeit, aber keine
Kosten verursacht.
>
> Meine Kritik bezieht sich auf die bildenden Künste. Sicher können auch Bilder
wichtig sein für die Gesellschaft. (Ich benutze das "Bild" im Folgenden
stellvertretend für Objekt, Skulptur, Installation, Fotografie). Wenn sie
auf Missstände hinweisen, sich mit gesellschaftlichen Fragen auseinander
setzten, unbequem sind und "wertvoll" für die Allgemeinheit oder bestimmte
Teile der Gesellschaft.
>
> Hier erscheint es mir allerdings so, dass zu viele Bilder des Bildes willen
entstehen. Nichts ausdrücken. Allein von der Eitelkeit ihres Schöpfers
erzählen. Dagegen ist ja auch nichts zu sagen. Wenn Herr A,B,C davon
begeistert genug ist, einen Betrag zu zahlen, um sich das Werk in sein Büro
zu hängen und der Künstler somit seinen Lohn bezieht.
>
> Öffentliche Fördergelder für Bilder zu verwenden, die keinen "übergeordeten"
Sinn haben, erscheint mir allerdings nicht angebracht, nicht in Zeiten wie
diesen. Hier müssten Mäzen her. Oder die Unterstützung der Famlie.
>
> Gruß, Anke
>
>
> > -----Ursprüngliche Nachricht-----
> > Von: "Stefan Beck"
> > Gesendet: 29.05.09 19:47:56
> > An: thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot] de
> > Betreff: Re: [thing-frankfurt] Stipendien & Fördermittel
>
>
> > Hallo Anke,
> >
> > ja, warum Dichter in dürftiger Zeit? Eine durchaus berechtigte Frage.
> >
> > Ich würde sie nach zwei Hinsichten beantworten.
> >
> > Allgemein kann man sich natürlich an Beuys halten, jeder Mensch ein
> > Künstler. Und deswegen müssen alle gefördert werden. Was in die
> > Richtung
> > bedingungsloses Grundeinkommen geht.
> >
> > Ähnlich, wenn nicht ganz so breit, argumentiert Richard Florida, der
> > meint, immer mehr Menschen lebten "künstlerisch". Deshalb sei statt
> > Wirtschaftsförderung Bürgerförderung angebracht.
> >
> > Ich würde allerdings die spezifische Leistung der Künstler herausheben.
> >
> > Künstler sind die, die ein exemplarisches Leben führen. Über das sie
> > exemplarisch zu berichten wissen.
> >
> > Jeder hatte schonmal Liebeskummer und weiß wie sich das anfühlt.
> > Proust
> > hingegen hat in der Gestalt von Swann und Odette Worte gefunden, die
> > über die banale Alltagserfahrung hinausgehen. Eben so, daß sich
> > plötzlich tausende von Lesern darin wiederfinden können.
> >
> > Dem Künstler gelingt, was anderen unscharf und verschwommen scheint,
> > klar herauszuheben.
> >
> > Diese Leistung rechtfertigt Förderung.
> >
> > Bleibt die Frage, wie denn die Leistung zu erkennen sei? Darauf gibt
> > es
> > natürlich keine allgemeine Antwort. Die Gesellschaft entwickelt
> > allerlei
> > Instrumente, Künstler auszusieben. Jedes davon hat seine Macken.
> > Weswegen manche den Bogen zurückschlagen und wieder beim allgemeinen
> > Grundeinkommen landen.
> >
> > Empfehle noch zur weiteren Klärung den Aufsatz von Heidegger "Warum
> > Dichter in dürftiger Zeit?" (in Holzwege).
> >
> > Die Lektüre Heideggers eigentsich besonders gut in ländlicher
> > Umgebung,
> > auf dem Bauernhof oder so.
> >
> > > Hallo zusammen,
> > >
> > > bei allem gebührenden Respekt vor der Kunst, sei hier mal die Frage
> > erlaubt, warum in Zeiten, in denen immer mehr Menschen (in Deutschland!
> > !) am Existenzminimum kratzen und Kinder in Armut aufwachsen müssen,
> > Künstler nach wie vor davon ausgehen, dass ihr Wirken mit öffentlichen
> > Geldern gefördert und finanziert werden müsse!! Ich finde diese
> > Haltung ziemlich borniert. So, das musste mal raus. Auch, wenn ich
> > mir damit Feinde mache.
> > >
> > > Gruß, Anke
> > >
> > >
> >
> > --
> >
> > The Thing Frankfurt
> > http://www.thing-frankfurt.de
> >
> > * * *
> >
> > Stefan Beck
> > Hohenstaufenstr. 8
> > 60327 Frankfurt
> > T. ++49-(0)69 - 741 02 10
> >
> > Thing Frankfurt Mailinglist:
> > mailto:thing-frankfurt-subscribe [at] yahoogroups [dot] de

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