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[thing-group] Received 08. 02. 2010 16:29 from from

Re: Ernst ist das Leben heiter die Kunst

Halo Hr.Beck,

, wenn es darum geht Adorno zu verteidigen, bin immer gern zur Stelle.(auch etwas später,..)
Ich halte es für bemerkenswert und einen positiven Ansicht, die Heiterkeit im Leben anzustreben.
Kunst als Träger auch ernsthafter und auf unsere Lebensumstände bezogen, ebenso kritischer Betrachtungsebenen sehe ich durchaus als Merkmal ihrer aktuellen Jetzt-Bezogenheit.
Kunstprodukt und Form als alleinige Ware, als Artikel, als ein Einreihen in den Vermarktungsprozess und darin der Wunsch, das alles (Machtstreben, Vorteilsdenken, Konkurrenzkampf,..etc.) möglichst so weiterlaufen möge, wie bisher, nur das ich/du/er/sie/es endlich ebenfalls profitieren darf, das kann es ja wohl nicht sein!?

Sein oder Nichtsein/ Haben oder Sein?

Hat der Mann mit dem schwarzen Quadrat (Malewitsch) nicht das Ende der Kunst proklamiert? Nach seinem schwarzen Quadrat müsse nichts mehr gemalt werden, da darin bereits "alles" enthalten sei? Wie dem auch sein möge, so sehe ich ohne eine massives Hinterfragen und Beleuchten und Erkennen gesellschaftlich relevanter Lebens- und Verwertungszusammenhänge, kaum eine Möglichkeit aus der reinen "Künstlerhaltung" heraus, etwas an diesen Lebensumständen zu optimieren.

Denn wer nicht im Markt ist, so wie der unbekannte Künstler, der ist draußen und der/die existiert nicht. Nicht für die Medien, nicht für die Presse, nicht für den Kunstmarkt und die Museen, nicht als gesellschaftlich relevante Produktivkraft.
Kunst muss an einer neuen oder auch ganz alten Form der Kultur und Ethik beteiligt sein, einer Form des Miteinanders, welche die Menschheitsgeschicke in eine positivere und human verträglichere Richtung begleitet und befördert.
Kunst sollte Menschen erfüllen und begleiten, als Ausdruck ihrer lebendigen Kraft (und Freude).

Die aktuell bestimmende Marktwirtschaft lässt uns dazu kaum noch Raum, deshalb müssen wir eventuell erst wieder Freiräume (Freu-Räume?) dafür schaffen, uns frei artikulieren zu dürfen, ohne Not und ohne Zwang zur Warenform.

Warum existiert wohl bisher in Deutschland keine einziger frei zugänglicher TV Kanal, der "einfach nur" "freie künstlerische Entfaltung" zulässt? Von mir aus nennen wir es: "Blödsinn-TV", ein Kanal für kuriose und freie, kritische, nachdenkliche, obskure Meinungsäußerung, etwa?
Mit allereli Informationen und auch ungelenk(t)en Berichten zu lebenden Künstlern, die nicht am Markt ausgerichtet sind, etc.

Im Internet gibt es so etwas bereits, na schön! Doch wer bestimmt im Land, in der Fläche, die Diskussion? Die etablierten Medien mit unsäglichen Shows und Filmchen, etc. und das genau ist es, was Menschen noch (nicht weiter-) bewegt.


Kunst muss kommunizieren und dies möglichst öffentlich, sonst bleibt sie im Keller oder unter dem Bett liegen.



----- Original Message -----
From: Stefan Beck
To: thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot] de
Sent: Monday, February 01, 2010 10:41 PM
Subject: [thing-frankfurt] Ernst ist das Leben heiter die Kunst



Hier noch eine spätabendliche Meditation zur Frage, warum es keine
Solidarität unter Künstlern (Kulturschaffenden) gibt.

Während im "normalen" Leben manches so und manches anders sein kann,
beliebig, herrscht in der Kunst - hinter dem ganzen Schein - die
entsetzlichste Notwendigkeit.

Jedes echte Kunstwerk ist der Ausdruck eines so, und nicht anders. Und
darüber hinaus der Anspruch, es möge alle andere Kunst auch so sein.

Wenn einer ein schwarzes Quadrat malt, dann steckt dahinter die
Forderung, es mögen in Zukunft nur noch schwarze Quadrate gemalt werden.

Ich habe einmal den Vortrag eines Architekturprofessors gehört, der
schlüssig darlegte, wie die Abstraktion über das Bauhaus zu den
seelenlosen Betonwüsten unserer (Vor)Städte führte.

Gerade weil Kunst Folgen hat, hält man sich gerne im belanglosen Blabla
auf und fern von jenen, die diese Folgen verkörpern. Auch untereinander.

Ernst ist das Leben heiter die Kunst. Adorno meinte mal, es wäre besser
umgekehrt. Das kann er nicht wirklich gewollt haben.

--

The Thing Frankfurt
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Stefan Beck
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