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[thing-group] Received 13. 02. 2010 19:04 from from

Re: Ernst ist das Leben heiter die Kunst

Die "Kraft" der Kunst,...

es werden doch vom konventionellem Denken die klassischen Prinzipien der
Selbsterhaltung eines Systems eingesetzt, das nichts davon hält,
Alternativen und Kritikern desselben nirgendwo Raum zu lassen und zu
gewähren.

@ Hr. Beck: Zu "Räumen": in Frankfurt geht man dazu ja hoffentlich andere
Wege, wie sie erwähnten, ....8-)
Wo gibt es denn heute Kritiker von Format, wie Adorno, Fromm, Marcuse,
Horkheimer, naja Habermas lebt noch, etc?

Potentiell kritische und verständige Menschen wie Sloterdijk haben die
Seiten gewechsel (und nicht etwa ihr Leben geändert, ..?) und vertreten
heute Positionen, die das herrschende Machtgefüge angenehm, wohlwolend
unterstützen und aufrecht erhalten. (z.B. seine letztens geäußerte Haltung,
vermögenden Mitbürgern zu erlauben, ihren gesellschaftlich derzeit noch
notwendigen Beitrag an steuerlichen Abgaben alleine bestimmen zu dürfen, ..)

In der Tat, den Materialisten fehlt es an Feingefühl. Sie wälzen alles
nieder.

Wer hat denn die zerstörten deutschen Städte dermaßen und in Eile wieder
aufgebaut; das dabei deren ursprünglicher Charme „zu Gunsten“ gesichtsloser
Zweckbauten auf der Strecke geblieben ist? Wer hat essentiell wichtige
Kultur schaffende Mitbürger wie Menschen jüdischer Abstammung vernichtet und
außer Landes gejagt? (Ein Resultat dessen ist u.a. die kulturelle Einöde,
wie wir sie in Deutschland bis heute verspüren dürfen)

Wer hat denn damals Beuys als "Kultusminister" von der Hochschule gejagt,
der Ex-Bundespräsident Rau! Wohin ist denn diese angemahnte "Integrität"
verschwunden, bei alle denen die bei uns in Staat und Wirtschaft "Macht"
ausüben. Billiges Showbiz oft und seichte Kultur und Filme wie die von Til
Schweiger oder Michael Herbig werden gefeiert! Die haben „wirtschaftlichen“
Erfolg und werden als „Kulturträger“ bejubelt.
Da ist es schon mehr als „lustig“, wenn sich darüber höchstens noch ein
Mensch jüdischer Abstammung, wie M. Reich Ranicki, beim Fernsehpreis aufregt
über diesen Unsinn einer Unkultur.

Wer redet und schreibt denn heute noch über begnadete Filmemacher wie
Achternbusch? Oder was ist aus der kritischen Haltung und der subversiven
Kraft geworden, wie sie in den Filmen eines Rudolf Thome, Schamoni, oder May
Spils zu bemerken war?

Wenn Kunst als solche noch akzeptiert, sich allein an Signalen des elitären
Marktes orientieren darf, bzw. zumeist an ihrem Geldwert gemessen wird, dann
bleiben mehr als ein zwei Fragen im Raume stehen.
Und ich kenne genug Kunstschaffende, die es „toll“ finden, wenn sie endlich
„ihre Chance“ bekommen, im Establishment mittun zu dürfen.("Establishment"
sollte man eigentlich wieder als Begriff verwenden , ..)
Schließlich reproduziert sich in wahrgenommener Kunst und Kultur aufs Beste
ein Verhältnis von Macht und Ohnmacht, welches massiv von der uns umgebenden
Gesellschaft geprägt worden ist. Und täglich in Funk, Fernsehen, Film und
den übrigen Medien weiter stereotyp verabreicht wird.

Das führt dann u.a. zu Resultaten wie in:

http://www.monopol-magazin.com/nachrichten/super-art-market

– Kunst hat mit Kunst nichts zu tun. Ein Film über das Geschäft der
Galeristen

Zitat: Zwischen Rezeption und Produktion zu vermitteln, ist Aufgabe der
Galeristen; ihr Betätigungsfeld hat sich während des Booms ausgeweitet. Leo
König bringt Georg Baselitz mit dem amerikanischen Millionär Andy Hall
zusammen, der das Schloss des Malers im niedersächsischen Derneburg kauft.
Der Galerist organisiert die erste Ausstellung dort: Wir sehen den
amerikanischen Künstler Julian Schnabel und seine Arbeiten. Sein Sohn Vito,
der für die Kamera kurz in die Rolle des Vaters schlüpft und dessen Bilder
erklärt, hat längerfristig andere Ziele (die er inzwischen auch verwirklicht
hat): Er will nicht Künstler werden, sondern Galerist. „Wie Leo“, sagt er.
Soweit ist es gekommen: Galeristen sind cooler als Künstler.
123

----- Original Message -----
From: "Michael Kania" <amk.michaelkania [at] web [dot] de>
To: <thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot] de>
Sent: Saturday, February 13, 2010 12:02 PM
Subject: Re: [thing-frankfurt] Ernst ist das Leben heiter die Kunst


Kunst hat eine viel größere Kraft als Du denkst. Die verschüttete
Möglichkeit, die die Sprache bietet, nämlich die Wechselwirkung von
Sprache und Wirklichkeit als sich gegenseitig bedingend und
voraussetzend, wird lediglich von jenen, die sich - wie gerade
Westerwelle es tut - mit Macht darüber hinwegsetzen, übergangen und
sozusagen "ausser Kraft gesetzt". Diese Materialisten sind einfach
nicht feinfühlig und vorsichtig genug, allzu plump ist ihr Bild von
der Wirklichkeit, nach dem sie agieren und was will man gegen solche
Leute, die sich mit Macht und Gewalt blindlings behaupten, machen?
Wobei bei all dem eine kaum zu überblickende Menge von Aspekten dieser
Wirklichkeit zum Tragen kommen. Nur als integre Person hat man da
Chancen. - Kunst hat sehr wohl diese Kraft!

Beste Grüße!


Am 09.02.2010 um 13:30 schrieb Helge BOMBER™ Steinmann:

> Kunst hat nicht die (r)evolutionäre Kraft (wie Beuys vermutete) um
> ein System zu beugen. Kunst spielt sich im Markt ab der Werte ab. Und
> dieser angebliche Markt findet in einer kleinen elitären Ebene statt.
>
>
>
> LG Bomber
>
>
> Am 08.02.2010 um 16:29 schrieb ch-ja 12:
>
>> Halo Hr.Beck,
>>
>> , wenn es darum geht Adorno zu verteidigen, bin immer gern zur
>> Stelle.(auch etwas später,..)
>> Ich halte es für bemerkenswert und einen positiven Ansicht, die
>> Heiterkeit im Leben anzustreben.
>> Kunst als Träger auch ernsthafter und auf unsere Lebensumstände
>> bezogen, ebenso kritischer Betrachtungsebenen sehe ich durchaus als
>> Merkmal ihrer aktuellen Jetzt-Bezogenheit.
>> Kunstprodukt und Form als alleinige Ware, als Artikel, als ein
>> Einreihen in den Vermarktungsprozess und darin der Wunsch, das
>> alles (Machtstreben, Vorteilsdenken, Konkurrenzkampf,..etc.)
>> möglichst so weiterlaufen möge, wie bisher, nur das ich/du/er/sie/
>> es endlich ebenfalls profitieren darf, das kann es ja wohl nicht
>> sein!?
>>
>> Sein oder Nichtsein/ Haben oder Sein?
>>
>> Hat der Mann mit dem schwarzen Quadrat (Malewitsch) nicht das Ende
>> der Kunst proklamiert? Nach seinem schwarzen Quadrat müsse nichts
>> mehr gemalt werden, da darin bereits "alles" enthalten sei? Wie dem
>> auch sein möge, so sehe ich ohne eine massives Hinterfragen und
>> Beleuchten und Erkennen gesellschaftlich relevanter Lebens- und
>> Verwertungszusammenhänge, kaum eine Möglichkeit aus der reinen
>> "Künstlerhaltung" heraus, etwas an diesen Lebensumständen zu
>> optimieren.
>>
>> Denn wer nicht im Markt ist, so wie der unbekannte Künstler, der
>> ist draußen und der/die existiert nicht. Nicht für die Medien,
>> nicht für die Presse, nicht für den Kunstmarkt und die Museen,
>> nicht als gesellschaftlich relevante Produktivkraft.
>> Kunst muss an einer neuen oder auch ganz alten Form der Kultur und
>> Ethik beteiligt sein, einer Form des Miteinanders, welche die
>> Menschheitsgeschicke in eine positivere und human verträglichere
>> Richtung begleitet und befördert.
>> Kunst sollte Menschen erfüllen und begleiten, als Ausdruck ihrer
>> lebendigen Kraft (und Freude).
>>
>> Die aktuell bestimmende Marktwirtschaft lässt uns dazu kaum noch
>> Raum, deshalb müssen wir eventuell erst wieder Freiräume (Freu-
>> Räume?) dafür schaffen, uns frei artikulieren zu dürfen, ohne Not
>> und ohne Zwang zur Warenform.
>>
>> Warum existiert wohl bisher in Deutschland keine einziger frei
>> zugänglicher TV Kanal, der "einfach nur" "freie künstlerische
>> Entfaltung" zulässt? Von mir aus nennen wir es: "Blödsinn-TV", ein
>> Kanal für kuriose und freie, kritische, nachdenkliche, obskure
>> Meinungsäußerung, etwa?
>> Mit allereli Informationen und auch ungelenk(t)en Berichten zu
>> lebenden Künstlern, die nicht am Markt ausgerichtet sind, etc.
>>
>> Im Internet gibt es so etwas bereits, na schön! Doch wer bestimmt
>> im Land, in der Fläche, die Diskussion? Die etablierten Medien mit
>> unsäglichen Shows und Filmchen, etc. und das genau ist es, was
>> Menschen noch (nicht weiter-) bewegt.
>>
>> Kunst muss kommunizieren und dies möglichst öffentlich, sonst
>> bleibt sie im Keller oder unter dem Bett liegen.
>>
>> ----- Original Message -----
>> From: Stefan Beck
>> To: thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot] de
>> Sent: Monday, February 01, 2010 10:41 PM
>> Subject: [thing-frankfurt] Ernst ist das Leben heiter die Kunst
>>
>> Hier noch eine spätabendliche Meditation zur Frage, warum es keine
>> Solidarität unter Künstlern (Kulturschaffenden) gibt.
>>
>> Während im "normalen" Leben manches so und manches anders sein kann,
>> beliebig, herrscht in der Kunst - hinter dem ganzen Schein - die
>> entsetzlichste Notwendigkeit.
>>
>> Jedes echte Kunstwerk ist der Ausdruck eines so, und nicht anders.
>> Und
>> darüber hinaus der Anspruch, es möge alle andere Kunst auch so sein.
>>
>> Wenn einer ein schwarzes Quadrat malt, dann steckt dahinter die
>> Forderung, es mögen in Zukunft nur noch schwarze Quadrate gemalt
>> werden.
>>
>> Ich habe einmal den Vortrag eines Architekturprofessors gehört, der
>> schlüssig darlegte, wie die Abstraktion über das Bauhaus zu den
>> seelenlosen Betonwüsten unserer (Vor)Städte führte.
>>
>> Gerade weil Kunst Folgen hat, hält man sich gerne im belanglosen
>> Blabla
>> auf und fern von jenen, die diese Folgen verkörpern. Auch
>> untereinander.
>>
>> Ernst ist das Leben heiter die Kunst. Adorno meinte mal, es wäre
>> besser
>> umgekehrt. Das kann er nicht wirklich gewollt haben.
>>
>> --
>>
>> The Thing Frankfurt
>> http://www.thing-frankfurt.de
>>
>> * * *
>>
>> Stefan Beck
>> Hohenstaufenstr. 8
>> 60327 Frankfurt
>> T. ++49-(0)69 - 741 02 10
>>
>> Thing Frankfurt Mailinglist:
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