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[thing-group] Received 16. 02. 2010 17:01 from from

Re: Ernst ist das Leben heiter die Kunst


Hallo zusammen,
ich bekomme seit einiger Zeit eure Debatte jeweils als email geschickt
und lese die kommentare mit wachsendem Interesse.
Meine Frage : in welcher Form kann ich mich beteiligen? Schicke ich
einen email so wie diese oder gibt es einen Verteiler?
gruß S.
ch-ja 12 schrieb:
> Die "Kraft" der Kunst,...
>
> es werden doch vom konventionellem Denken die klassischen Prinzipien der
> Selbsterhaltung eines Systems eingesetzt, das nichts davon hält,
> Alternativen und Kritikern desselben nirgendwo Raum zu lassen und zu
> gewähren.
>
> @ Hr. Beck: Zu "Räumen": in Frankfurt geht man dazu ja hoffentlich andere
> Wege, wie sie erwähnten, ....8-)
> Wo gibt es denn heute Kritiker von Format, wie Adorno, Fromm, Marcuse,
> Horkheimer, naja Habermas lebt noch, etc?
>
> Potentiell kritische und verständige Menschen wie Sloterdijk haben die
> Seiten gewechsel (und nicht etwa ihr Leben geändert, ..?) und vertreten
> heute Positionen, die das herrschende Machtgefüge angenehm, wohlwolend
> unterstützen und aufrecht erhalten. (z.B. seine letztens geäußerte Haltung,
> vermögenden Mitbürgern zu erlauben, ihren gesellschaftlich derzeit noch
> notwendigen Beitrag an steuerlichen Abgaben alleine bestimmen zu dürfen, ..)
>
> In der Tat, den Materialisten fehlt es an Feingefühl. Sie wälzen alles
> nieder.
>
> Wer hat denn die zerstörten deutschen Städte dermaßen und in Eile wieder
> aufgebaut; das dabei deren ursprünglicher Charme „zu Gunsten“ gesichtsloser
> Zweckbauten auf der Strecke geblieben ist? Wer hat essentiell wichtige
> Kultur schaffende Mitbürger wie Menschen jüdischer Abstammung vernichtet und
> außer Landes gejagt? (Ein Resultat dessen ist u.a. die kulturelle Einöde,
> wie wir sie in Deutschland bis heute verspüren dürfen)
>
> Wer hat denn damals Beuys als "Kultusminister" von der Hochschule gejagt,
> der Ex-Bundespräsident Rau! Wohin ist denn diese angemahnte "Integrität"
> verschwunden, bei alle denen die bei uns in Staat und Wirtschaft "Macht"
> ausüben. Billiges Showbiz oft und seichte Kultur und Filme wie die von Til
> Schweiger oder Michael Herbig werden gefeiert! Die haben „wirtschaftlichen“
> Erfolg und werden als „Kulturträger“ bejubelt.
> Da ist es schon mehr als „lustig“, wenn sich darüber höchstens noch ein
> Mensch jüdischer Abstammung, wie M. Reich Ranicki, beim Fernsehpreis aufregt
> über diesen Unsinn einer Unkultur.
>
> Wer redet und schreibt denn heute noch über begnadete Filmemacher wie
> Achternbusch? Oder was ist aus der kritischen Haltung und der subversiven
> Kraft geworden, wie sie in den Filmen eines Rudolf Thome, Schamoni, oder May
> Spils zu bemerken war?
>
> Wenn Kunst als solche noch akzeptiert, sich allein an Signalen des elitären
> Marktes orientieren darf, bzw. zumeist an ihrem Geldwert gemessen wird, dann
> bleiben mehr als ein zwei Fragen im Raume stehen.
> Und ich kenne genug Kunstschaffende, die es „toll“ finden, wenn sie endlich
> „ihre Chance“ bekommen, im Establishment mittun zu dürfen.("Establishment"
> sollte man eigentlich wieder als Begriff verwenden , ..)
> Schließlich reproduziert sich in wahrgenommener Kunst und Kultur aufs Beste
> ein Verhältnis von Macht und Ohnmacht, welches massiv von der uns umgebenden
> Gesellschaft geprägt worden ist. Und täglich in Funk, Fernsehen, Film und
> den übrigen Medien weiter stereotyp verabreicht wird.
>
> Das führt dann u.a. zu Resultaten wie in:
>
> http://www.monopol-magazin.com/nachrichten/super-art-market
>
> – Kunst hat mit Kunst nichts zu tun. Ein Film über das Geschäft der
> Galeristen
>
> Zitat: Zwischen Rezeption und Produktion zu vermitteln, ist Aufgabe der
> Galeristen; ihr Betätigungsfeld hat sich während des Booms ausgeweitet. Leo
> König bringt Georg Baselitz mit dem amerikanischen Millionär Andy Hall
> zusammen, der das Schloss des Malers im niedersächsischen Derneburg kauft.
> Der Galerist organisiert die erste Ausstellung dort: Wir sehen den
> amerikanischen Künstler Julian Schnabel und seine Arbeiten. Sein Sohn Vito,
> der für die Kamera kurz in die Rolle des Vaters schlüpft und dessen Bilder
> erklärt, hat längerfristig andere Ziele (die er inzwischen auch verwirklicht
> hat): Er will nicht Künstler werden, sondern Galerist. „Wie Leo“, sagt er.
> Soweit ist es gekommen: Galeristen sind cooler als Künstler.
> 123
>
> ----- Original Message -----
> From: "Michael Kania" <amk.michaelkania [at] web [dot] de>
> To: <thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot] de>
> Sent: Saturday, February 13, 2010 12:02 PM
> Subject: Re: [thing-frankfurt] Ernst ist das Leben heiter die Kunst
>
>
> Kunst hat eine viel größere Kraft als Du denkst. Die verschüttete
> Möglichkeit, die die Sprache bietet, nämlich die Wechselwirkung von
> Sprache und Wirklichkeit als sich gegenseitig bedingend und
> voraussetzend, wird lediglich von jenen, die sich - wie gerade
> Westerwelle es tut - mit Macht darüber hinwegsetzen, übergangen und
> sozusagen "ausser Kraft gesetzt". Diese Materialisten sind einfach
> nicht feinfühlig und vorsichtig genug, allzu plump ist ihr Bild von
> der Wirklichkeit, nach dem sie agieren und was will man gegen solche
> Leute, die sich mit Macht und Gewalt blindlings behaupten, machen?
> Wobei bei all dem eine kaum zu überblickende Menge von Aspekten dieser
> Wirklichkeit zum Tragen kommen. Nur als integre Person hat man da
> Chancen. - Kunst hat sehr wohl diese Kraft!
>
> Beste Grüße!
>
>
> Am 09.02.2010 um 13:30 schrieb Helge BOMBER™ Steinmann:
>
> > Kunst hat nicht die (r)evolutionäre Kraft (wie Beuys vermutete) um
> > ein System zu beugen. Kunst spielt sich im Markt ab der Werte ab. Und
> > dieser angebliche Markt findet in einer kleinen elitären Ebene statt.
> >
> >
> >
> > LG Bomber
> >
> >
> > Am 08.02.2010 um 16:29 schrieb ch-ja 12:
> >
> >> Halo Hr.Beck,
> >>
> >> , wenn es darum geht Adorno zu verteidigen, bin immer gern zur
> >> Stelle.(auch etwas später,..)
> >> Ich halte es für bemerkenswert und einen positiven Ansicht, die
> >> Heiterkeit im Leben anzustreben.
> >> Kunst als Träger auch ernsthafter und auf unsere Lebensumstände
> >> bezogen, ebenso kritischer Betrachtungsebenen sehe ich durchaus als
> >> Merkmal ihrer aktuellen Jetzt-Bezogenheit.
> >> Kunstprodukt und Form als alleinige Ware, als Artikel, als ein
> >> Einreihen in den Vermarktungsprozess und darin der Wunsch, das
> >> alles (Machtstreben, Vorteilsdenken, Konkurrenzkampf,..etc.)
> >> möglichst so weiterlaufen möge, wie bisher, nur das ich/du/er/sie/
> >> es endlich ebenfalls profitieren darf, das kann es ja wohl nicht
> >> sein!?
> >>
> >> Sein oder Nichtsein/ Haben oder Sein?
> >>
> >> Hat der Mann mit dem schwarzen Quadrat (Malewitsch) nicht das Ende
> >> der Kunst proklamiert? Nach seinem schwarzen Quadrat müsse nichts
> >> mehr gemalt werden, da darin bereits "alles" enthalten sei? Wie dem
> >> auch sein möge, so sehe ich ohne eine massives Hinterfragen und
> >> Beleuchten und Erkennen gesellschaftlich relevanter Lebens- und
> >> Verwertungszusammenhänge, kaum eine Möglichkeit aus der reinen
> >> "Künstlerhaltung" heraus, etwas an diesen Lebensumständen zu
> >> optimieren.
> >>
> >> Denn wer nicht im Markt ist, so wie der unbekannte Künstler, der
> >> ist draußen und der/die existiert nicht. Nicht für die Medien,
> >> nicht für die Presse, nicht für den Kunstmarkt und die Museen,
> >> nicht als gesellschaftlich relevante Produktivkraft.
> >> Kunst muss an einer neuen oder auch ganz alten Form der Kultur und
> >> Ethik beteiligt sein, einer Form des Miteinanders, welche die
> >> Menschheitsgeschicke in eine positivere und human verträglichere
> >> Richtung begleitet und befördert.
> >> Kunst sollte Menschen erfüllen und begleiten, als Ausdruck ihrer
> >> lebendigen Kraft (und Freude).
> >>
> >> Die aktuell bestimmende Marktwirtschaft lässt uns dazu kaum noch
> >> Raum, deshalb müssen wir eventuell erst wieder Freiräume (Freu-
> >> Räume?) dafür schaffen, uns frei artikulieren zu dürfen, ohne Not
> >> und ohne Zwang zur Warenform.
> >>
> >> Warum existiert wohl bisher in Deutschland keine einziger frei
> >> zugänglicher TV Kanal, der "einfach nur" "freie künstlerische
> >> Entfaltung" zulässt? Von mir aus nennen wir es: "Blödsinn-TV", ein
> >> Kanal für kuriose und freie, kritische, nachdenkliche, obskure
> >> Meinungsäußerung, etwa?
> >> Mit allereli Informationen und auch ungelenk(t)en Berichten zu
> >> lebenden Künstlern, die nicht am Markt ausgerichtet sind, etc.
> >>
> >> Im Internet gibt es so etwas bereits, na schön! Doch wer bestimmt
> >> im Land, in der Fläche, die Diskussion? Die etablierten Medien mit
> >> unsäglichen Shows und Filmchen, etc. und das genau ist es, was
> >> Menschen noch (nicht weiter-) bewegt.
> >>
> >> Kunst muss kommunizieren und dies möglichst öffentlich, sonst
> >> bleibt sie im Keller oder unter dem Bett liegen.
> >>
> >> ----- Original Message -----
> >> From: Stefan Beck
> >> To: thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot] de
> >> Sent: Monday, February 01, 2010 10:41 PM
> >> Subject: [thing-frankfurt] Ernst ist das Leben heiter die Kunst
> >>
> >> Hier noch eine spätabendliche Meditation zur Frage, warum es keine
> >> Solidarität unter Künstlern (Kulturschaffenden) gibt.
> >>
> >> Während im "normalen" Leben manches so und manches anders sein kann,
> >> beliebig, herrscht in der Kunst - hinter dem ganzen Schein - die
> >> entsetzlichste Notwendigkeit.
> >>
> >> Jedes echte Kunstwerk ist der Ausdruck eines so, und nicht anders.
> >> Und
> >> darüber hinaus der Anspruch, es möge alle andere Kunst auch so sein.
> >>
> >> Wenn einer ein schwarzes Quadrat malt, dann steckt dahinter die
> >> Forderung, es mögen in Zukunft nur noch schwarze Quadrate gemalt
> >> werden.
> >>
> >> Ich habe einmal den Vortrag eines Architekturprofessors gehört, der
> >> schlüssig darlegte, wie die Abstraktion über das Bauhaus zu den
> >> seelenlosen Betonwüsten unserer (Vor)Städte führte.
> >>
> >> Gerade weil Kunst Folgen hat, hält man sich gerne im belanglosen
> >> Blabla
> >> auf und fern von jenen, die diese Folgen verkörpern. Auch
> >> untereinander.
> >>
> >> Ernst ist das Leben heiter die Kunst. Adorno meinte mal, es wäre
> >> besser
> >> umgekehrt. Das kann er nicht wirklich gewollt haben.
> >>
> >> --
> >>
> >> The Thing Frankfurt
> >> http://www.thing-frankfurt.de
> >>
> >> * * *
> >>
> >> Stefan Beck
> >> Hohenstaufenstr. 8
> >> 60327 Frankfurt
> >> T. ++49-(0)69 - 741 02 10
> >>
> >> Thing Frankfurt Mailinglist:
> >> mailto:thing-frankfurt-subscribe [at] yahoogroups [dot] de
> >>
> >> [Die Teile dieser Nachricht, die nicht aus Text bestanden, wurden
> >> entfernt]
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> > [Die Teile dieser Nachricht, die nicht aus Text bestanden, wurden
> > entfernt]
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