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[thing-group] Received 29. 05. 2009 19:47 from from

Re: Stipendien & Fördermittel

Hallo Anke,

ja, warum Dichter in dürftiger Zeit? Eine durchaus berechtigte Frage.

Ich würde sie nach zwei Hinsichten beantworten.

Allgemein kann man sich natürlich an Beuys halten, jeder Mensch ein
Künstler. Und deswegen müssen alle gefördert werden. Was in die Richtung
bedingungsloses Grundeinkommen geht.

Ähnlich, wenn nicht ganz so breit, argumentiert Richard Florida, der
meint, immer mehr Menschen lebten "künstlerisch". Deshalb sei statt
Wirtschaftsförderung Bürgerförderung angebracht.

Ich würde allerdings die spezifische Leistung der Künstler herausheben.
Künstler sind die, die ein exemplarisches Leben führen. Über das sie
exemplarisch zu berichten wissen.

Jeder hatte schonmal Liebeskummer und weiß wie sich das anfühlt. Proust
hingegen hat in der Gestalt von Swann und Odette Worte gefunden, die
über die banale Alltagserfahrung hinausgehen. Eben so, daß sich
plötzlich tausende von Lesern darin wiederfinden können.

Dem Künstler gelingt, was anderen unscharf und verschwommen scheint,
klar herauszuheben.

Diese Leistung rechtfertigt Förderung.

Bleibt die Frage, wie denn die Leistung zu erkennen sei? Darauf gibt es
natürlich keine allgemeine Antwort. Die Gesellschaft entwickelt allerlei
Instrumente, Künstler auszusieben. Jedes davon hat seine Macken.
Weswegen manche den Bogen zurückschlagen und wieder beim allgemeinen
Grundeinkommen landen.

Empfehle noch zur weiteren Klärung den Aufsatz von Heidegger "Warum
Dichter in dürftiger Zeit?" (in Holzwege).

Die Lektüre Heideggers eigentsich besonders gut in ländlicher Umgebung,
auf dem Bauernhof oder so.

> Hallo zusammen,
>
> bei allem gebührenden Respekt vor der Kunst, sei hier mal die Frage erlaubt, warum in Zeiten, in denen immer mehr Menschen (in Deutschland!!) am Existenzminimum kratzen und Kinder in Armut aufwachsen müssen, Künstler nach wie vor davon ausgehen, dass ihr Wirken mit öffentlichen Geldern gefördert und finanziert werden müsse!! Ich finde diese Haltung ziemlich borniert. So, das musste mal raus. Auch, wenn ich mir damit Feinde mache.
>
> Gruß, Anke
>
>



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