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[thing-group] Received 09. 03. 2010 12:11 from from

Re: was machen?

Hallo Bomber,

Bravo! Gute Aufzählung und Analyse der harten "Fakten" im "Kunstmarkt"

Ein paar Gedanken dazu, zum Leben und zur Kunstmesse: als MANIFEST:


1.. Es stößt nicht nur mir und dir und anderen Künstlern inzwischen immer
weiter auf, das die Ebene der Kunstvermarktung als exklusiv Club, noch von
BWL'ern, Bänkern oder nach "Profit" gierenden, angeblichen "Kuratoren"
besetzt ist. Dies geht so weit, das nämliche "Kuratoren" inzwischen wie die
Lehrerin in der Grundschule, Kunst Künstler aussortieren und Richtungen
bestimmen, was als Kunst überhaupt "öffentlich" präsentiert werden
darf,.Wenn sie nicht sogar manchmal schon, selber Kunst "in Auftrag geben"
die ihnen genehm und ihren An-Weisung entsprechend angefertigt werden soll
und muss, um "ausstellbar" und "verkäuflich" zu sein und dadurch werden.




2.. Auch auf der jüngst wieder von mir besuchten Kunstmesse in Karlsruhe,
drehten sich die Mehrzahl der von mir im Vorbeigehen "belauschten"
Gespräche der Galeristen um:
Vermarktung, Rendite, Gewinne und Verluste im "Geschäft". Einige sprachen
von ihrer guten Situation in der Finanzkrise, dank kluger Investition in
Immobilienbesitz, wieder andere sprachen nur von "Investitionen und
Abschreibungen"! Einige waren in ihren Gedanken in Singapur (dort sind es
+33C ) oder grübelten ("Fotografieren verboten!") über die Rentabilität
ihrer Ausstellungskoje, einige riefen sogar: "Kommen sie, hier hat's ja für
jeden etwas!" Und wieder andere redeten von Besuchern der Messe als:
"Durchläufern, wie auf dem Weihnachtsmarkt!" - Kaum einer sprach von: KUNST!


3.. Wir als Künstler/ Kunstschaffende haben uns, wie auch die meisten der
Menschen in der übrigen Gesellschaft "des Profitinteresses" das Sagen, die
Entscheidungen über unser Leben und die Handlungsfreiheit aus der Hand
nehmen lassen! Von diesen gewieften Unternehmern, die auch gutmeinende
Künstler schon früh versucht haben, in gewagte und nur jene, ihnen
profitable Geschäfte einzuwickeln. Wenn überhaupt. Warum stellen kleine
Frankfurter Galerien etwa, bei der vorletzten "Saisoneröffnung" im
September geschehen, in Frankfurt "Künstler aus New York" aus, gibt es so
eine Kunst nicht auch vor Ort? JA und nein, aber das was zählt, ist hier das
Flair des Big Apple, Marketinktechniken überall.


-----------------> So packend und anschaulich die jüngste Mail-Eingabe von
Margarete Gamdzyk auch gewesen ist, ein paar gute links waren dabei, dazu
äußere ich mich jedoch später mal konkreter!

Doch wird es mir regelrecht "ÜBEL" wenn ich lesen muss, das künstlerische
Fähigkeiten, wie in ihrem sonst guten Text! beschrieben, wieder nur dafür
herhalten sollen,

-------> das börsennotierte Unternehmen sich damit durch ein besseres
"Betriebsklima" profilieren und noch besser verkaufen! Immer nur: Verkaufen!
Verkaufen! Verkaufen!

--------------->
(Kennt hier denn niemand die wirklich guten, deutschen Liedtexte von der
Gruppe Blumfeld etwa, zum Thema Konsumgesellschaft, (CD: Testament der
Angst) wie etwa: "Diktatur der Angepassten":







"Ich seh die Leute in den Straßen
die Diktatur der Angepaßten
in den Städten und den Dörfern
leben sie und ihre Lügen
Lügen, Lügen, Lügen



Männer, Frauen, Junge, Alte
in den Büros und den Fabriken
an den Schulen und zu Hause
lassen sich für dumm verkaufen
kaufen, kaufen, kaufen

(...)

m Norden, Süden, Osten, Westen
die Diktatur der Angepaßten
das Geld vibriert und auf den Genchips
diktiert ein freier Markt das Leben
Leben, Leben, Leben

die Medien helfen ihnen beim Dummsein
ein starker Staat hilft ihnen beim Stummsein
die Leute wollen unter sich sein
und gehen dafür über Leichen
Leichen, Leichen, Leichen

(...)

Ich seh die Leute in den Straßen
die Diktatur der Angepaßten
Millionen sind durch sie gestorben
sie lassen hungern, foltern, morden
morden, morden, morden

sie vergiften alle Flüsse
die Luft, den Boden und die Meere
und tun so als ob nichts wäre
ich hab genug von ihren Lügen
Lügen, Lügen, Lügen





Das ist Kunst, aber auch Protest und das sind wahre Worte! Nicht wieder nur
Bla-Bla!

Versteht ihr denn nicht, das Markt und Marktkonformismus, auch in der Kunst
ihr jede gesellschafts-verändernde Spitze und Kraft genommen, hat? Notwenige
Prozesse zur Veränderung vereinnahmt um diese aufzusaugen und zu verwässern
und unkenntlich zu machen!

Es ist nicht nur die Kunst die geschwächt ist, es ist ihre gängige
Vermarktungstruktur, die der Kunst alle Formen der Autonomie und
Verwirklichung beinahe zu 99% genommen hat!







Man sollte endlich dagegenhalten und wieder in ähnlicher Massivität:

Leben! Leben! Leben!

Freude! Freude! Freude!

Fordern und rufen!?




Einige machen das zum Glück in autonomen Initiativen und singen Protestsongs
in Chören auf der Straße in Einkaufszentren und in Fußgängerzonen,..! ETC,
aber in Dänemark!

Man darf un dsolte nicht vergessen und aus den Augen verlieren, das Kunst
sich nicht nur im Malen von Bilder etc. darstellt, Kunst beinhaltet ebenso
die Gestaltung unserer eigene und bewohnten Lebensräume! Aller Facetten und
Fassaden unserer gelebten Wirklichkeit!




Kunst leben bedeutet: über unsere gesamte Lebenssituation mitzubestimmen,
auch in Politik und Wirtschaft!!!



Die Übernahme des Kunstmarktes durch alleinige und beinahe ausschließlich
profitorientierte Interessen ist nur eine der letzten Übernahmegebiete, von
ehemals freien und vermarktungs-resistenter "Domainen", die nun exklusiver
Besitz für Kapitalverwertungsabsichten geworden sind!



Das ist gelebter Neokolonialsimus und Imperialismus im eigenen Land!




Diese Verwertungsinteressen sind nicht "auch" dort, (im Kunstmarkt
verankert,..) sondern sie sind "inzwischen" dort angekommen ! Ein gewaltiger
Unterschied!



Früher in den 60er und 70er Jahren, ich habe dazu ältere Exemplare des sehr
gut recherchierten"Kunstforums" bei einem Kollegen durchgearbeitet, war es
aufgrund einer grundsätzlich anderen Haltung und Ambition vieler Galeristen
noch durchaus möglich und erwünscht, Kunstvermittlung , ohne direkte und
alleinige profitorientierte Vermarktungsabsichten zu betreiben.




War kommen denn berühmte und vermögende Künstler nicht zusammen und gründen
eine Initiative, die freie,autonome Kunst, ohne Vermarktungszwang,
befördert?




In den 70ern ging es meist noch um Protest, Vielfalt, Veränderung und reale
Prozesse, die in/mit/ durch von Kunst ausgehen können!
Die meisten der auch heute bekannten Künstler wie Richter, Penk, Polke,
Immendorf, etc.waren damals "kleine Lichter", ebenso zittrig und
unschlüssig, wie viel Kollegen noch heute, wenn es um Präsentation und den
etwaigen, auch künstlerischen "Wert" ihrer Arbeiten geht!


Richter suchte zu Beginn seiner "Karriere" selbst mit Polke und anderen noch
Galerien auf, um seine Arbeiten anzubieten und dabei fielen ihm Fotos seiner
Arbeiten aus Unsicherheit auf den Boden, und wie lebt er heute! Als jovialer
und Gutsherren-artiger Überflieger und Bonvivant!? Egal!

In den 70ern gab es Galerien die noch junge und unverbrauchte Kunst
inhaltlich gefördert haben, bisweilen weil von dieser ein Impetus, eine
Aussage zur Veränderung der Gesellschaft ausging!



Und nicht wie heute nur das selektiert wurde, was in voreiliger Anpassung
und "erlaubter" Schrägheit nur Interessen befördert, die auf Rentabilität
und Gewinnmaximierung ausgelegt sind, etc. etc.!



Mein Fazit und das einiger anderer "noch "engagierter" Menschen, auch in
übergreifenden politischen Prozessen:



# Über Kunstvermarktung allein werden wir in dieser Gesellschaftsform kaum
noch etwas, auch zu unseren Gunsten verändern!!!




# Außer wir werden uns gemeinsam der Strukturen bewusst, (in Ökonomie,
Politik und Wirtschaft) die das bestimmen, was um uns herum "als Leben"
inszeniert wird!




# Wir müssen nicht nur mit Kunst protestieren und kämpfen, sondern im
derzeitigen Zustand der Verhältnisse, auch durch Kunst! Protest,
Verweigerung und Alternativen, sorry aber "der Kampf" geht weiter und wer
das nicht begreifen will, keine Ahnung, schlaft weiter??



# Ich finde es "Schade" außerdem, das selbst hier Leute und Künstler nicht
mehr bereit sind, grundsätzlich für ihre und dadurch unsere, gemeinsame
Situation:
als "unfreie" und abhängig gemachte Menschen einzutreten und immer noch
hoffen, doch irgendwann mittun zu dürfen, doch noch "vermarktbar" und
warenförmig zu werden!

Vermarktung und Warenform hilft jedoch nur denen, die das gesamte System
bestimmen und es beherrschen und sie allein sind es; die davon profitieren!




Schön, wenn sich hier angeblich freie Menschen, sich mit Brosamen begnügen
und verständnisvoll, aber ihrer Sinne beraubt und entleert, lächelnd anderen
applaudieren, die sich mit ihren Arbeiten, den aus ihrem Schmerz und ihrer
Not und Verzweiflung entstanden Werken bereichern und ein mehr als "flottes
Leben im Luxus" führen! Danke!?










## Eine Situation des Leidens, die doch jede/r immerhin partiell erkennt,
als eigenes Unvermögen etwa, doch genau das ist es:
das gesellschaftliche Missverhältnis in persönlicher Autonomie und
Selbstausdruck wird uns als eigenes Unvermögen und "Schuld" zur Last gelegt
und damit als das Potential und Prozesse zur Solidarisierung aller
Betroffenen beschädigt und zu Nichte gemacht!







Solange nicht freie Künstler und Menschen, in gelebter Demokratie und
Mitbestimmung ihrer Lebenssituation etwas daran ändern und die Kontrolle für
ihr Leben übernehmen, wird sich daran kaum etwas ändern. Jedes Jahr, in dem
weiter verharrt und still gewartet wird, das sich etwas von Alleine ver-
bessert ist ein verlorenes Jahr!




Amen

GzG.




----- Original Message -----
From: "Helge BOMBERT Steinmann" <bomber [at] bomber [dot] de>
To: <thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot] de>
Sent: Tuesday, March 09, 2010 8:45 AM
Subject: Re: [thing-frankfurt] was machen?


Hallo Stefan, hallo all die anderen,


was Marcuse da schreibt sehe ich ähnlich. Und ganz sicher ist bei
vielen "öffentlichen" Ausschreibungen "der Markt" schon vorab
verlaufen. Hier wird durch staatliche Institutionen und anhängender
Eliten entschieden, was Kunst sein darf und was nicht. Dies wird dann
wiederum über staatlich kontrollierte Medien an die thumbe Maße
weitergegeben, sodaß z.B. eine freie, vielleicht auch wilde und
aggressive Form der Malerei (Marcuse nennt das hier radikale
Veränderung) keinerlei Chance hat da anzusetzen um eine nachhaltigen
Eindruck nach sich zu ziehen.

Wenn ich mir vermeintlich große Galerien in FFM anschaue, dann
stecken da zu 99% Menschen dahinter, die vorher in Banken und deren
angeschlossenen Instituten arbeiteten um jetzt einen auf Kunstkenner
zu machen.
Und wieso müssen es ausgerechnet Galerien und staatliche Schulen
sein, die mir als Unwissender erklären was "wertige" Kunst sei und
was nicht?

Was soll das mit Kunst zu tun haben? Wieso stecken da nicht
Kunstwissenschaftler und Künstler als Inhaber? Wenn es einen
Kunstmarkt gäbe müsste es doch auch freie erfolgreiche (nicht nur im
finanziellen Sinn) Galerien in Frankfurt und anderen Städten geben.
Vielleicht gibt es die sogar mittlerweile?

Fragen, Fragen Fragen .
Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus.

LG Bomber



Am 06.03.2010 um 19:55 schrieb Stefan Beck:

> Das klingt durchaus plausibel. Und es mag sein, daß wir nichts
> ausrichten können.
>
> Aber es würde schon ausreichen, wenn wir die durch das System
> Kunstmarkt
> enstandenen Schäden ausführlich und präzise auflisten könnten.
>
> Nehmen wir Freud als Beispiel. Nach 100 Jahren mag es unerheblich
> sein,
> ob er seine Patienten wirklich heilen konnte.
>
> Sein Verdienst besteht darin, ein vollkommen neue Darstellungsweise
> der
> an den Individuen verübten Unterdrückungen gefunden zu haben.
>
> Das sollten wir auch versuchen.
>
> Hier noch ein Mitteilung aus alter Zeit:
>
> "Zunächst die Frage nach der Möglichkeit der Kommunikation. Sie ist in
> einem bestimmten Sinn erst im Spätkapitalismus zum Problem geworden.
> Unter seiner Herrschaft wäre die Veränderung der Welt wörtlich die
> Veränderung des ganzen der materiellen und intellektuellen Kultur, der
> Daseinsform von Mensch und Natur in allen Bereichen - der qualitative
> Sprung.
>
> Das heißt aber, daß die Kunst, wenn sie wirklich Faktor radikaler
> Veränderung sein soll, die bestimmte Negation des Bestehenden
> vermitteln muß."
>
> [Herbert Marcuse, "Kunst und Befreiung", in: Nachgelassene Schriften,
> Hrsg. Peter-Erwin Jansen]
>
> http://de.groups.yahoo.com/group/thing-frankfurt/message/4717
>
> > Anmerkung:
> > durch etwas tiefere Einblicke in gängige und verbreitete
> Marktstrukturen ist mir aufgefallen, das es inzwischen sogar
> unmöglich ist,für autonome, alternative oder sonstige nicht am
> Kunstmarkt aktiv partizipierende Künstler, an diesem in irgend
> einer Form teilzunehmen.
> >
> > Die rigiden Strukturen der Selektion und Abschottung sind wie in
> der übrigen Marktwirtschaft ähnlich, dermaßen ausgefeilt und nur
> für Insider verständlich und zugänglich, das obwohl eine angebliche
> Transparenz vermittelt wird, der Zutritt auf eine Elite beschränkt
> bleiben soll.
> >
> > Daher über die Vermarktung und den Verkauf von Kunstwerken/
> Arbeiten zu hoffen, Freiräume zu erwirtschaften, die ein besseres
> oder angenehmeres Leben dadurch ermöglichen, halte ich inzwischen
> in dieser Realität, nun für relativ ausgeschlossen, oder
> vergleichbar mit den Gewinnchancen in einer x-beliebigen Lotterie.
> >
> > Daher sehe ich in einer "autonomen" Gegenbewegung kreativer
> Kunstschaffender eine möglich Alternative,...
> >
> > So auch meine neu gewonnenes Verständnis für die Gewinner im
> Kunstmarkt-System, da diese aus Selbsterhaltungsinteressen und
> alleinig an der Maximierung von eigenen Profiten interessiert,
> unmöglich andere auf ihre Stufe oder in ihre Nähe und sei es durch
> "Almosen" wie Kunstankäufe zu befördern beabsichtigen.
> > Hart aber Fair?
>
> --
>
> The Thing Frankfurt
> http://www.thing-frankfurt.de
>
> * * *
>
> Stefan Beck
> Hohenstaufenstr. 8
> 60327 Frankfurt
> T. ++49-(0)69 - 741 02 10
>
> Thing Frankfurt Mailinglist:
> mailto:thing-frankfurt-subscribe [at] yahoogroups [dot] de
>



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