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[thing-group] Received 22. 03. 2005 13:00 from from

"Die Künstler sind das Salz in der Suppe"

soso, salz in der suppe. hoffe, niemand ist verliebt, sonst wirds versalzen.


>"Die Künstler sind das Salz in der Suppe"
>"atelierfrankfurt" erfüllt das alte Frankfurter Polizeipräsidium mit Leben
>
>Wo in früheren Jahren Polizeibeamte an ihren Schreibtischen saßen, arbeiten
>heute junge Kunstschaffende, Architekten, Film- und Theatermacher. Der
>Initiative des gelernten Architekten Jörg Siedel verdankt das ambitionierte
>Projekt sein Entstehen und findet mittlerweile Beachtung weit über Frankfurt
>hinaus.
>
>Frankfurt am Main (pia/ 22.3.05) Ein Pullover für zwei liegt noch da. Mit
>vier Ärmeln und einer Kapuze für die Köpfe. "Das war schon lustig, wie die
>Leute versuchten, sich das Ding anzuziehen", lacht Jörg Siedel. Zusammen mit
>einer riesigen künstlichen Schneewehe und ein paar weiteren Objekten ist
>"das Ding" übrig geblieben von kürzlich hier gezeigten Arbeiten der
>kanadischen Gaststudentin an der Städelschule, Tamara Henderson, und ihren
>Versuchen, sich dem Thema "Kälte" künstlerisch zu nähern.
>
>Strahlend weiß dehnt sich der große, vom Charme der Improvisation
>beherrschte Galerieraum von "atelierfrankfurt". "Den Bodenbelag zum
>Beispiel", verrät Siedel, "haben wir nach einer Schirn-Ausstellung geschenkt
>bekommen." Auch ein Podest stammt aus einer früheren Schau in der Kunsthalle
>und spielt nun Bar im geplanten Restaurant. Fast genau ein Jahr ist es her,
>seit der gelernte Architekt Jörg Siedel im leer stehenden, ehemaligen
>Polizeipräsidium an der Hohenstaufenstraße sein Wunschquartier für ein
>Projekt fand, dessen Idee ihn schon seit längerem umgetrieben hatte: Ein
>"Zentrum für zeitgemäße künstlerische Prozesse" zu schaffen, einen Ort, der
>bildenden Künstlern, Architekten, Grafikdesignern, Wissenschaftlern, Film-
>und Theaterleuten "ein kreatives Ausloten der Grenzen zwischen Disziplinen"
>ermöglicht.
>
>"Eines Tages", erzählt er, "bin ich hier vorbei gelaufen, die Tür stand
>offen, ich habe einfach mal rein geschaut..." Und von da an setzte er mit
>viel Idealismus und wenig Geld sein zunächst "Institute for Contemporary
>(Art) Frankfurt" genanntes Unternehmen, verlassene, demnächst zum Abbruch
>bestimmte Gebäude für eine Übergangszeit mit Leben zu füllen, in die
>Realität um. Inzwischen Vorstandsvorsitzender von "atelierfrankfurt", findet
>Jörg Siedel die Lage des alten Präsidiums in der Nähe von Hauptbahnhof,
>Messe und Universität "einfach ideal" für seine Zwecke, denn "hier gibt's
>einen Kiez, den keiner kennt".
>
>Das mit dem Kennen hat sich allerdings geändert. Rund fünftausend Besucher
>fanden bis Ende letzten Jahres bereits den Weg ins Haus mit seiner großen
>Glaswand über alle Etagen, den steingepflasterten Treppen und marmornen
>Türumrahmungen. Wo im Obergeschoss einst Polizeibeamte in kleinen Büros
>saßen, erstreckt sich nun ein riesiges Atelier, dessen Boden noch die Spuren
>herausgerissener Wände zeigt. "Der letzte Gast hier", sagt Siedel, "war so
>begeistert von diesem Raum, dass er ihn ein halbes Jahr lang kaum verlassen
>hat."
>
>Eben sortiert ein junger Amerikaner hier seine Materialien. Ein paar Türen
>weiter sitzt die Koreanerin Eun Yoo Shin inmitten ihrer fertigen und eben
>begonnenen Bilder. Rund vierzig Ateliers gibt es im Haus, die von
>Gastkünstlern günstig gemietet werden können und für die sich Jörg Siedel
>künftig "noch mehr Durchmischung" wünscht. Einige Architekten haben hier
>Büros, Leute vom Theater, aber auch politische Gruppen gehören seiner
>Ansicht nach dazu. Er sprudelt über von Plänen, schildert mit lebhafter
>Gestik "total spannende" Umbau- und Programmvisionen, dabei immer wieder
>unterbrochen von hektischem Handyklingeln, während sich unten am Tor ein
>Besucher aus Tel Aviv zum Gespräch anmeldet.
>
>"Bis zur totalen Selbstaufgabe" wirft sich der gebürtige Dresdner in sein
>Projekt in der für ihn so anregenden "Alphastadt Frankfurt" und fährt sich
>dabei selbst "finanziell auf Null", was sich privat im überwiegenden Konsum
>preiswerter Rindswürstchen ausdrückt. Kein Cent, aber weltweites Interesse
>am "atelierfrankfurt", schildert er die Lage, denn Anfragen nach Ateliers,
>Workshops und Ausstellungen registriert er inzwischen von Boston und San
>Sebastian bis Australien. Interesse und Förderung findet das Projekt des
>Einzelkämpfers Siedel mittlerweile von verschiedenen Seiten: Das Kultur
>Komitee Frankfurt zählt dazu, und das Hessische Wissenschaftsministerium
>zahlt einige der Gastateliers.
>
>"Ohne Künstler ist eine Stadt arm", sagt Jean-Christophe Ammann, früherer
>Direktor des Frankfurter Museums für Moderne Kunst und Vorsitzender des
>Beirats von "atelierfrankfurt", "sie sind das Salz in der Suppe". Er lobt
>ausdrücklich den "maximalen Einsatz von Jörg Siedel" und unterstreicht, dass
>man alles tun müsse, um jungen Kunstschaffenden in der Stadt Möglichkeiten
>zu bieten, "denn der Trend geht zurzeit nach Berlin". Die künftige
>Entwicklung von "atelierfrankfurt" nach Abriss des alten Präsidiums in
>wahrscheinlich einigen Jahren sieht der einstige MMK-Direktor durchaus
>optimistisch, "dann wird sich zeigen, ob das Projekt genügend Substanz hat,
>um weiter zu bestehen." Für Siedel würde ein Neuanfang ohnehin eine weitere
>Herausforderung bedeuten.
>
>Lore Kämper
>
>Kontakt: atelierfrankfurt, Hohenstaufenstraße 13-27. Tel.:069/ 74303770
>info [at] atelierfrankfurt [dot] de - www.atelierfrankfurt.de
>
>Fotos zum Download unter www.frankfurt.de Pressedienste Wochendienst
>
>
>
>Der Abdruck ist honorarfrei. Belegexemplar erbeten.

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