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[thing-group] Received 19. 02. 2010 14:42 from from

why are artists poor

>>> das geschäftsmodell der "autonomen Kunst" ist eben grundsätzlich fragwürdig: völlig abgekoppelt von jedem möglichen gebrauchswert ermittelt sich der wert der kunst"werke" genau wie der von derivaten und anderen wettobjekten der finanzwelt. dieses hochproblematische geschäftsmodell (weil es kunst - und künstler - per se aus sozialen kontexten ausgrenzt und gerade dies zum merkmal von kunst und künstlerischer existenz macht) hat ausgerechnet die postmoderne finanzwirtschaft lustigerweise übernommen - und auch hier führt es zur verarmung der vielen und zum exorbitanten reichtum von wenigen.
>>> damit wir uns nicht falsch verstehen - die "zweckfreiheit" der kunst in der moderne war eine errungenschaft, weil nur in ihr und durch sie die erkenntnis vom selbstzweck des menschen sich darzustellen vermochte. unglücklicherweise geschah und geschieht dies auf eine weise, die gerade die kunst zum distinktionsmerkmal zwischen den sozialen klassen und schichten macht, als "soziales" kaptial der eliten. und damit wurde durch die hintertür ein "zweck" wieder eingeführt. wie sein werk, so spielt auch der autonome künstler in diesem modell eine rolle, die - anders als die avantgarden der moderne es wollten - mittlerweile nur noch stablsierend auf die bestehenden verhältnisse wirkt. der finanzjongleur unserer zeit schmückt sich mit "kunstkenntnis" und seinen büroturm mit zeitgenössischer kunst. die anwesenheit des künstlers sichert dem establishment den schein von liberalität und fortschrittlichkeit. er verziert und verdeckt, was tatsächlich geschieht und dies - paradoxerweise genau dann am besten, wenn die kunst sich "kritisch" mit dem verhältnissen "auseinandersetzt", in denen sie sich präsentiert.
>>> wie kann man dem entgehen und dem künstler sein brot verschaffen? an der schwelle zur moderne wurde ein anderes geschäftsmodell erprobt, das jedoch scheiterte, weil es in die sphäre der gebrauchskunst, der u-kunst verbannt wurde: der künstler als selbstständiger unternehmer, der die diversifikation und den vertrieb seiner produkte selbst steuert, statt sie einem (wett-)handel zu überlassen. dieser künslter-typ sieht sich selbst als citoyen und seine kunst als beitrag zur auseinandersetzung der gesellschaft mit sich selbst (also richtet sich gerade an ihrem "gebrauchswert" aus). das modell, von dem ich rede, hat u.a. hogarth erprobt, der englisch porträtmaler, comiczeichner und moralist, der nicht zufällig auch das erste copyright erstritten hat. die neuen medien (zuvörderst das netz) könnten diesen weg wieder öffnen: statt "werke" auf einem ominösen "kunstmarkt" anzubieten, müsste der künstler seine einnahmen aus den "dienstleistungen" erwirtschaften, die er in einem gesellschaftlichen diskurs erbringt (z.B. über "abonnenten" seiner blogs u.ä.) noch ist nicht klar, ob es je eine möglichkeit geben wird, hier genug geld zu generieren, um nicht zu verhungern. dennoch: ich sehe da mehr chancen als risiken, denn die widersprüchlichkeit und widerlichkeit des etablierten kunstmarkts ist ja gar nicht mehr zu übersehen.


Dr. Jutta Pivecka
jspivecka [at] yahoo [dot] de
jusupi11 [at] googlemail [dot] com





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