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[thing-group] Received 26. 01. 2010 18:47 from from

Re: Kunst als Zeichen für sich selbst

Oh Herr Beck,

"Kunst als Zeichen für sich selbst, als Leerstelle, die von der materiellen Lage der Künstler abstrahiert." Gut gesagt. da sind wir ja fast wieder bei Lingner.

Dies passt aber nun imGegenteil, um so besser zur Argumentation meines vorhergehenden Textes über die "Miserabilität" des gemeinen Künstler-Daseins. Denn ist deren Lage, die der gemeinen Künstler nicht Konsequenz einer weder sozial verträglichen noch gerechten Anerkennung ihrer gesellschaftlichen Leistungen, wie der ungleichen Verteilung von lebenswichtigen (monetären) Ressourcen?
Ja sorry, im Zuckermann-Zitat ging es mir besonders um die Hervorhebung seiner Kritik der einseitig an geldwerter Materialität orientierten Begleit-Umständen im etablierten Kunstmarkt.
(dazu habe ich den Anfang seiner Aussage zu schnell überlesen, ....)

Zuckermann begibt sich dabei in die Nähe von Adorno, bezieht sich ebenso auf dessen Kritik an der Kulturindustrie. Jene Kulturindustrie, die man ebenfalls heute noch erkennen kann(!?). In deren bestimmendem Umfeld, Kunst nicht etwa als wichtige, vielschichtige Arbeit an/mit Zeichen erkannt wird. Sondern Kunst dient aktuell in einer sehr eindimensionalen Handhabung ihrer Hervorbringungen nur noch als Vorwand für ein Profitinteresse, welches sämtliche Inhalte der ihm genehmen Kunstwerke letztlich ihrem Tauschwert ausliefert. All dies ist bekannt, jedoch auch das Bekannte sollte man bisweilen wiederholen, damit es nicht in Vergessenheit gerät.

Zu ihrem Zeichen-Komment anbei ein Statement vom Alt-Linguisten de Saussure:

Sprache ist nicht mehr das simple System von Wörtern, die den Sinn einfach so in sich tragen wie ein Gefäß einen bestimmten Inhalt. Sprache ist einem Gewebe ähnlich, in dem Bedeutung nicht mehr in einzelnen Begriffen wohnt, sondern erst in der Differenz entsteht.

Nun, da wir hier in Schriftform kommunizieren, geht manche Nuance bisweilen eben dieser Form geschuldet, verloren. Zumal nicht verbal nachgefragt werden kann, um eventuell Missverständnisse einzugrenzen.

Als hilfreich für verbalen Austausch sehe ich ihre Einladung, zum Usertreff Anfang Mai. Ich werde mir diesen Termin merken.

LG.






----- Original Message -----
From: Stefan Beck
To: thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot] de
Sent: Monday, January 25, 2010 9:44 PM
Subject: [thing-frankfurt] Kunst als Zeichen für sich selbst



Lieber Brentis,
ich wundere mich nun, denn die Formulierung "Kunst als Zeichen für sich
selbst" habe ich Deinem Text entnommen. Und nun ist sie Dir "schwer
verständlich"?

Ich geb zu, mir ist nicht ganz klar, was "Kunst als Zeichen für sich
selbst" wirklich meint, aber innerhalb der Argumentation ist sie das
Gegenteil des "um des Profits willen hergestellten "Schund(s)"".

Deine nachfolgenden Zeilen zur Lage der bildenden Künstler, die mir sehr
wohl bekannt ist, lassen mich schliessen, als wäre "Kunst als Zeichen
für sich selbst" eine Art Leerstelle, die von der materiellen Lage der
Künstler abstrahiert.

Das mag möglich sein, passt aber gar nicht zur Argumentation Deines Textes.

> Geehrter Hr. Beck,
> ihr freundlicher Zynismus ist nachvollziehbar, nur: Kunst als "Zeichen für sich selbst".
> Das ist mir schwer verständlich. Oder soll jener Vorschlag etwa bedeuten, das Kunst und Kunstschaffende sich an der schieren Existenz ihrer Selbst und ihrer etwaigen Kunstwerke zumindest erfreuen mögen?
> In einem anderen Zusammenhang, als an dieser wenig rosigen, aktuellen gesellschaftlichen Situation gemessen, sicher ein respektabler Vorschlag.
>
> Untermauert ebenfalls durch folgende Anlayse, von besser besoldeten Brotschreibern verfasst, wie diese mittlerweile ihre "Kollegen" sehen, Stichwort: "Erbärmlichkeit":
>
> Jedem, (...), ist klar, dass alle Kunst, mit der Kulturschaffende ihr Brot verdienen, verblassen muss gegenüber der so genannten Lebenskunst dieser marginalisierten Kreativhelden - Lebenskunst ist hier der Euphemismus für einen verlustreichen Lebenskampf zwischen poetischem Höhenflug und trivialer Überlebenssorge."
>
> "In der aktuellen Diskussion um soziale Gerechtigkeit wirkt die Forderung nach Abschaffung der Künstlerkasse (Ende 2007) wie ein gezielter Tiefschlag. Er trifft eine Einkommensgruppe, die trotz ihres stolzen Selbstbildes einer gewollten Außenseiter- und Kreativexistenz zu den wirtschaftlich und sozial Deklassierten des Landes gehört. Allein die Zahlen verraten schiere Erbärmlichkeit. Das durchschnittliche Einkommen aller versicherten Künstler und Publizisten liegt derzeit unter 1000 Euro brutto im Monat.
>
> aus: http://www.sueddeutsche.de/kultur/397/428152/text/
>
>
>
> Vielleicht sollte man den etablierten und materiell erfolgreichen Kunstschaffenden endlich nahe legen, anstelle etwa nur Schlösser und Pomp zu investieren, (wie etwa Th. Gottschalk,...) ab einer gewissen Einkommenshöhe, für 10 verarmte Künstler zumindest die KSK Beiträge zu begleichen. Das wäre doch endlich wieder gelebte Solidarität und soziales Verhalten. Oder erscheint ihnen dieser Vorschlag, Hr.Beck zu wenig marktwirtschaftlich?
>
>

Ursprünglicher Text (Zitat Moshe Zuckermann?):

> > Wenn es stimmt, daß Kunst nicht mehr Zeichen für sich selbst, sondern vor
> > allem Zeichen für ihren Geldwert sei, dann betrifft diese Feststellung nicht
> > nur den Tauschwert von guter Kunst, sondern vor allem den um des Profits
> > willen hergestellten "Schund", eben die mit der Hinwendung zum Markt,
> > (mithin zum "Publikum") fabrizierten Produkte einer Kulturindustrie, die
> > sich ihrer Eigenart als etwas von Kunst Abstammendem so weit entledigt hat,
> > das sie erklärtermaßen nichts anderes als Waren produzieren will, nichts als
> > ständige Profitmaximierung im Auge hat.Was dieser geheiligten Maxime nicht
> > genügt, beim "Publikum" quotenmäßig nicht "ankommt". also nicht den
> > erhofften Profit einbringt, wird "vom Programm abgesetzt".

--

The Thing Frankfurt
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Stefan Beck
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T. ++49-(0)69 - 741 02 10

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