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[thing-group] Received 01. 12. 2009 23:58 from from

Re: Betrifft: Kulturgutscheine in weiteren Facetten

@Sabine
Nur noch schnell dazu:

das klngt gut was du sagst und auch recht ehrlich. Ich weiß natürlich nicht unbedingt, was Stefan Beck denkt usw. Ich habe jeenfalls als Designer, Grafiker etc. gearbeitet. "Für alle" ist doch so wie so in der Form wie du es sagst, eine Utopie, das weißt du wahrscheinlich selber.

Aber ich betätige mich auch als Künstler und habe, wie so viele, dabei einige sehr schwierige Moment erlebt, wie etwa: "Was machst du da, warum soll ich etwas dafür bezahlen, das kann ich doch auch aus dem Automaten ziehen." Etc. Oder andere beliebte Bemerkungen von Nicht-Künstlern, ... Der "normale", nicht künstlerisch tätige Bürger (und die Bürgerin) ist meist zu stark von seinen eigenen produktiven Kräften entfremdet und hat zur kreativen künstlerischen Arbeit eine sehr diffizilen Bezug.

Die gesellschaftliche Entwicklung tendiert nun schon länger dahin, die gesamten produktiven, menschlichen Tätigkeiten zu kommerzialisieren und in Warenform umzuwandeln (damit u.U. Unternehmer damit Gewinn machen können) und dabei bleibt der einzelne Künstler als Produzent oft, gegen die Übermacht der Industrie, auf der Strecke, ähnlich wie die kleinen Handwerker, u.ä. Und für den/die Normalbürger zählt erst mal nur etwas, was offensichtlichen Geldwert beinhaltet und daran messen sie dich und das kann es wirklich nicht sein. Sorry. Ebenso die gesamte Unkultur der Arbeitsmoral und der richtigen, leidvollen Arbeitshaltung fügt dem ein weiteres, negativ besetztes Element hinzu.

Dazu gestalte ich als Künstler Eigenes und bekomme dafür ggf. weder Anerkennung noch Geld zurück, eine schöne, isolierte Lage. Der Künstler als Märtyrer, ist es das was dir vorschwebt?

Und abgehoben will kaum jemand sein, meist wird man dahin gedrängt, so zu denken und zu handeln, was bleibt vielen denn übrig?Wenn Menschen nun die künstlerische Arbeit, die du für sie (für alle) angeblich machst, nicht wollen, oder etwa nicht zu schätzen wissen, was machst du dann? Ja, du arbeitest eventuell mit Kindern und die nehmen dir gerne alles bereitwillig ab, aber die Erwachsenen?

Diese Gesellschaft gehört verändert und dann ist eventuell jede/r Künstler und wir alle verstehen uns und wissen unser Tun außer der Geldform zu schätzen, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Einen Ansatz dazu hat schon einmal Erich Mühsam formuliert, ein:

"Freiwilliges Schaffen gleichberechtigter Individuen im Dienste gegenseitiger Hilfe."





...
----- Original Message -----
From: Sabine
To: thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot] de
Sent: Tuesday, December 01, 2009 10:23 PM
Subject: [thing-frankfurt] Betrifft: Kulturgutscheine in weiteren Facetten





Ich empfinde das gar nicht als naiv oder schöngeredet (von wegen im Verein schön zusammen singen...), sondern ich erlebe die Vielfalt der Gesellschaft jeden Tag. Ich erlebe jeden Tag schwarz und weiß und alles dazwischen, dünn und dick und alles dazwischen usw.

Was mich ärgert, ist, dass die Kunst- und/oder Kreativschaffenden sich selbst (oft) aus DER Gesellschaft herausheben wollen, die sie selber mit sind. Für wen machen wir denn, wenn wir etwas machen? Etwas gestalten oder erschaffen? Ich zumindest mache es weder nur für eine Elite noch für das Gegenteil davon, sondern für die gesamte Bandbreite, für alle. Es werden nicht alle gucken oder sich sonstwie beteiligen; darum geht es ja auch nicht. Aber es ist doch erstmal "für alle", oder nicht? Und wenn ich dann eine solche Meinung über mein noch unbekanntes Publikum habe, dann Prost, Mahlzeit!

Sicher gibt es den Mainstream, und sicher sieht er so ähnlich aus wie beschrieben; es ist nicht, dass ich Stefan oder Dir da widerspräche. Aber sich vorauseilend aus einer Gesellschaft herauszuheben, für die man doch eigentlich arbeitet (oder nicht??) - das fühlt sich für mich nicht richtig an...

--- In thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot] de hat "churchjard 12" geschrieben:
>
> Naja,
> dann gibt es also auch keine Klassengesellschaft, keine Hierachien, keine Machtverhältnisse und keine Eliten, die sich Kunst und Kultur ggf. so zurecht biegen, wie sie sich das vorstellen und wie es ihnen passt?
> Hey du, du bist auserwählt mein Loft zu dekorieren, etc.
>
> Alle sind gleich, gerecht und singen zusammen schöne Lieder im Verein?
>
> Speziell in Deutschland hat es bekanntlich eine Zeit in der Geschichte mit extremer schwarz/weiß Trennung gegeben, in der ganz klar angesagt worden ist, was Kunst und was nicht, schon vergessen?
>
> Gegen wen haben eigentlich die Hippies in den 70er Jahren rebelliert, gegen das Finanzamt?
> Wir leben ganz klar in einer neofeudalistischen Ständegesellschaft und das sagt nicht Stefan, sondern Ulrich Beck.
>
> Der klassische "Bürger" ist durch Arbeit und seine Haltung zu Arbeit genormt und deformiert. Kunst ist für jene meistens "Deko" und darin stimme ich Hrn. Beck inhaltlich zu. Wir leben noch lange nicht in dieser angeblich schönen, egalitären und pluralistischen oder demokratischen Gesellschaft. Denn auf dem Weg dahin ist der vitale Wille zur Veränderung abhanden gekommen.
>
> Das behauptet ähnlich Russell Jacoby (in: "The end of Utopia,"..) der im übertragenen Sinne die etablierten und akdemisierten Intellektuellen beschreibt als diejenigen, welche aus einer gesicherten Position heraus sich gelegentlich noch als Randexistenzen gebärdend, in dieser Pose der realen Subkultur jegliche Existenzberechtigung schnöde aberkennen..
>
> Der "Kulturkampf" wird leider fortgesetzt, denn diejenigen welche im Boot sind, verweigern nicht nur denen, die noch im Wasser strampeln, an Bord zu gelangen, sondern behaupten sogar: "Schwimmen ist gesund".
>
>
>
> Gruß.
>
>
>
>
> ----- Original Message -----
> From: Sabine
> To: thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot] de
> Sent: Tuesday, December 01, 2009 8:18 PM
> Subject: [thing-frankfurt] Betrifft: Kulturgutscheine in weiteren Facetten
>
>
>
>
>
> ... und schon wieder (wobei sich "wieder" nicht nur auf die Liste bezieht):
>
> "der Bürger" versteht "Kunst" nicht; was er kann und mag ist Kitsch und Krempel - oder wie...? Sind nicht auch Künstler "Bürger"? Und gibt es nicht auch unter den Bürgern Kunstverständige, Kunstinteressierte, KÜNSTLER...?!
>
> Es gibt keine Trennung, jedenfalls nicht so eine schwarz-weiße mit solchen klaren Trenn-Linien. Und es gibt Gartenzwerge und Jägerzäune unter den "Bürgern", wie es auch Sekt und Selters, Kaviar und Erbsensuppe, arm und reicht, gebildet und ungebildet, schön und weniger schön, krank und gesund, dick und dünn u.v.a.m. gibt --- und jedes Merkmal für sich genommen noch lange nicht ausreichend Auskunft gibt über dessen Träger.
>
> Ich glaube, ich kann antworten, was das für eine Kultur gäbe: eine so vielfältige und authentische wie es Menschen im Land gibt.
>
> Ich fand Deine rhetorische Frage ziemlich ärgerlich...
>
> viele Grüße,
>
> Sabine
>
> --- In thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot] de hat Stefan Beck geschrieben:
> >
> > Meine Idee der Kulturgutscheine hatten auch schon andere. Allerdings in
> > anderer Herangehensweise.
> >
> > Undzwar, die Kulturgutscheine direkt an die Bürger auszugeben.
> >
> > Auf daß sie damit die Kultur fördern, die ihnen am Herzen liegt.
> >
> > Auch nicht verkehrt. Wenngleich mir bei dem Gedanken noch etwas mulmig
> > ist. Was würde das für eine Kultur geben? Gartenzwergjägerzäune?
> >
> > Allerdings würde sich dann auch ergeben, ob so ein Projekt wie Thing
> > Frankfurt dann mehr Unterstützung erführe, als über den Umweg des
> > Kulturamtes.
> >
> > Was denkt Ihr?
> >
> > * * *
> >
> > Hier noch ein paar Links zum Thema:
> >
> > -- Schon aus dem Jahre 2002
> > http://www.tavernini.eu/Texten_Kunst%20und%20Kulturgutschein.htm
> >
> > -- Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas
> > Straubhaar
> > http://www.abendblatt.de/wirtschaft/article1191094/Sechs-Kulturgutscheine-fuer-jeden.html
> >
> > -- Und noch ein Kommentar zu Straubhaar
> > http://kulturmanagement.wordpress.com/2009/10/18/subventionen-oder-kulturgutscheine/
> >
> >
> >
> >
> >
> >
> > * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *
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