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[thing-group] Received 03. 12. 2009 10:39 from from

Betrifft: Kulturgutscheine in weiteren Facetten




Guten Morgen, Stefan,

ja, was Du sagst, ist nachvollziehbar. Auch ich stelle es mir konkret schwierig vor, dass die Kulturgutscheine für alle das bewirken, was Ihr wünscht, nämlich die Wertigkeit von Kunst nachher auch mal in Penunzen zu sehen, besonders gerne im eigenen Portemonnaie...

für mich war/ist der Gedanke verführerisch, weil ich in der Tat erlebe, dass Kunst schon vom "Bürger" entfernt ENTSTEHT, geschweige denn ihm später vermittelbar ist. Er wird m. E. nicht genug "mitgenommen". Dass man das Fach studiert haben muss, um Kunst genießen zu können, lehne ich nicht wegen des eigenen fehlenden Studiums ab, sondern weil ich es für nicht logisch halte. Wenn Kunst doch für "die Gesellschaft" sein soll.....

ich denke weiter, dass die Idee der gerecht bezahlten Kunst nicht umzusetzen ist. Das System wäre nicht zu bezahlen (oder mir fehlt der zündende Gedanke, wie), und der fehlende Kriterienkatalog, der die Freiheit von Kunst m. E. erst begründet, tut sein Übriges.

Ich wollte noch Brentis schreiben, aber jetzt kann ich hier schön überleiten:

@Brentis,

ich sehe und fühle keinen Künstler als Märtyrer. Warum sollte ich, und, ehrlich gesagt: ich frage mich, warum irgendjemand SICH so sehen sollte. Aber ich denke, dass man weiß, worauf man sich einlässt, wenn man kreativ tätig ist, und dass es schwer (ich sage: unmöglich) ist, etwas einzufordern. Ich glaube, dass ich deswegen sage "für alle", und deswegen halte ich "für alle" nicht nur nicht für utopisch, sondern für realistisch. Ich kann mir z. Z. keine andere Haltung vorstellen.

Die Gesellschaft möchte vieles nicht bezahlen, was sie eigentlich braucht. Dass Kunst dazu gehört, liegt in der Freiheit des Metiers, und die halte ich hoch und für sie würde ich immer kämpfen. Auch, wenn ich für den Lebensunterhalt etwas arbeite, was die Gesellschaft eher bezahlenswert findet. Noch ;-/) ...



--- In thing-frankfurt [at] yahoogroups [dot] de hat Stefan Beck geschrieben:
>
> Liebe Sabine,
>
> ich gestehe meine Unfähigkeit gerne ein, mir ein konkretes Szenario für
> den Einsatz von Kulturgutscheinen an alle Bürger vorzustellen.
>
> Insofern war mein "gartenzwergjägerzaun" etwas hilflos und Deine Kritik
> berechtigt.
>
> Allerdings finde ich auch die Einwände von Brentis bedenkenswert.
>
> Kultur ist kein neutrales Feld, sondern von vielfältigen
> (Macht)Interessen durchsetzt.
>
> Die Vorstellung es könnten sich authentische Wünsche und Neigungen
> durchsetzen, kommt mir wenig plausibel vor.
>
> Ich meine, es bräuchte wenigstens Instanzen der Vermittlung.
>
> Ganz persönlich, wäre ich zB für Forschung und Wissenschaft zuständig,
> so würde ich dazu neigen Biologie, Medizin und Pharmazie wenig zu
> fördern, weil sie mich einfach langweilen. Wider das bessere Wissen, daß
> auch mein Leben von ihnen abhängt.
>
> Ich müsste also in mir selbst eine Argumentationsinstanz zulassen, die
> mir sagte, daß mein Geschmack weniger wichtig ist, als der vorerst
> abstrakte Nutzen.
>
> Und solcherlei Instanzen muß es auch auf gesellschaftlicher Ebene geben,
> die sich vom blossen Bürgerwillen abgrenzen.
>
> Ist das nachvollziehbar?
>
> >
> > ... und schon wieder (wobei sich "wieder" nicht nur auf die Liste bezieht):
> >
> > "der Bürger" versteht "Kunst" nicht; was er kann und mag ist Kitsch und Krempel - oder wie...? Sind nicht auch Künstler "Bürger"? Und gibt es nicht auch unter den Bürgern Kunstverständige, Kunstinteressierte, KÜNSTLER...?!
> >
> > Es gibt keine Trennung, jedenfalls nicht so eine schwarz-weiße mit solchen klaren Trenn-Linien. Und es gibt Gartenzwerge und Jägerzäune unter den "Bürgern", wie es auch Sekt und Selters, Kaviar und Erbsensuppe, arm und reicht, gebildet und ungebildet, schön und weniger schön, krank und gesund, dick und dünn u.v.a.m. gibt --- und jedes Merkmal für sich genommen noch lange nicht ausreichend Auskunft gibt über dessen Träger.
> >
> > Ich glaube, ich kann antworten, was das für eine Kultur gäbe: eine so vielfältige und authentische wie es Menschen im Land gibt.
> >
> > Ich fand Deine rhetorische Frage ziemlich ärgerlich...
> >
> > viele Grüße,
> >
> > Sabine
> >
> >
> >
>
>
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